H2 im Glaspalast (Foto: Felix Weinold)

H2 Katalog

Baumann, Günther

*1953 in Dillingen / Donau
lebt und arbeitet in Augsburg und Cupramonta / Italien

Günther Baumann, ohne Titel (wieder linear), Enkaustik auf Leinwand, © Günther Baumann
Günther Baumanns Malerei bewegt sich im Grenzbereich zwischen Figuration und Abstraktion, seine charakteristische Maltechnik ist die Enkaustik, die Wachsmalerei. Seine Bildsprache zeugt von einer tief empfundenen Erfahrung menschlicher Existenz als latent erlebter Freude, Bürde und Qual zugleich. Eine eigentümliche Bildwelt entfaltet sich hier, zwischen fremdartig-elementarer Figuration und abstrakten, enigmatischen ‚Zeichen’ .. Malend bewegt sich Baumann in einem Pandämonium aus (psycho-)physisch – so will es scheinen – beschädigten Menschen, angesiedelt im Zwischenreich eines Tagtraums und einem Bestiarum benachbart .. Da stehen hocken und liegen – torpid oder seltsam torquiert – menschliche Torsi, die Extremitäten versteckt, nur angedeutet oder gar nicht vorhanden, die Arme allenfalls vors Gesicht geschlagen oder ‚gefesselt’, mit tief in den Schultern vergrabenen Köpfen, „neckless monsters“, golemhafte Gestalten in archaischer Ruhe und gequälte Kreaturen, vereinsamte Außenseiter, schreckerstarrt, anonym, von vager Physiognomie.. (Hans Albrecht Hartmann in: Günther Baumann – Bilder 1990-93. Ausst.-Kat. Augsburg, Ecke-Galerie 1994, o.S.).

Bibliographie:
A.a.O. (Abb. o.S.). H2 – Zentrum für Gegenwartskunst. Ausst.-Kat. Augsburg [Kehrer-Verlag Heidelberg] 2006, S.23 (Abb.).
Dossi, Ugo

*1943 in München
lebt und arbeitet in München

Ugo Dossi, Nefer „IAO“, 1989, © Ugo Dossi
.. Medium-Zeichnungen, die in Seancen, in Trance entstehen .. Die Zeichnungen sind Ergebnisse des Zeichnens, was ein aktiver und zeitlich begrenzter Prozeß ist. Aber dieser Prozeß steht nicht unter der Kontrolle unseres Willens und unserer Zeit, sondern er ist von anderen, automatischen, psychischen Strukturen determiniert. Indem Dossi die so entstandenen Ergebnisse, die er mit Laser und Hologramm verbindet, auf die als archetypische Bilder betrachteten Gestalten projiziert, versucht er gleichzeitig eine Rekonstruktion und eine Stimulation der spirituellen Erfahrungen zu demonstrieren (Lóránd Hegyi, „Das Bild als Berührungszone“. Bemerkungen zur Kunst von Ugo Dossi, in: Ugo Dossi – IAO, ORGON, ABYSS. Ausst.-Kat. Wien, Museum Moderner Kunst, Stiftung Ludwig 1994, S. 7).
Empfangshalle

Corbinian Böhm *1966 in München
Michael Gruber *1965 in Mallersdorf
leben und arbeiten in München
www.empfangshalle.de

Empfangshalle, Aufseherbrunnen, 2004, Cibachrome, © Empfangshalle
Förg, Günther

* 1952 in Füssen

Günther Förg, aus 'Erker-Suite', Juli 2000, Farblithografie, 60 x 50 cm, © Günther Jörg
Freibank

1989–96
Waltraud Brandner *1956
Gerhard Fauser *1958
Ulo Florack *1958
Peter Lochmüller *1965

Freibank, Pig Nic – The Last Supper, © Freibank
Pig Nic – The Last Supper ist das letzte Gemälde der Künstlergruppe, die in den späten 1980er / frühen 1990er Jahren mit zahlreichen Ausstellungen über die Landesgrenzen hinaus für Furore sorgen konnte (u.a. erhielten die Augsburger Kunstförderpreisträger des Jahres 1990 im selben Jahr den „prix jeune peinture etranger“ im Pariser Grand Palais). Pig Nic ist wie sämtliche Freibank-Werke eine gemalte Gemeinschaftsarbeit unter gleichberechtigter Einbeziehung aller, in der stets persönliche Überbetonung .. bei Stimmigkeit zähneknirschend ertragen wurde (Amsel Kieferbruch, in: Die Freibank. Ausst.-Kat. Augsburg 1991, S.9).
Khoroshilova, Anastasia

* 1978 born in Moscow
www.khoroshilova.net

Anastasia Khoroshilova, aus: 'Russkie', 2008, Farbfotografie, 99 x 79 cm, © Anastasia Khoroshilova
Kuyas, Ferit

* 1980 in der Schweiz
www.feritkuyas.net

Ferit Kuyas, aus: 'Aurora' – Kaylee, Snack Vendor, 2012, Archival Pigment Print, 62 x 80 cm, © Ferit Kuyas
Rehm, Christoph
www.christof-rehm.de
Christoph Rehm, SP_5165, Handy-Fotografie, 109 x 137 cm, © Christoph Rehm
Sagorsky, Gustavo

* 1975 in Argentinien
www.gustavosagorsky.com

Gustavo Sagorsky, aus: 'Apparitions', 2015, Archival Pigment Print, 77 x 52 cm, © Gustavo Sagorsky
Weinold, Felix

*1960 in Augsburg
lebt und arbeitet in Augsburg
www.felixweinold.de

Felix Weinold, Office, 2001, Kodak Endura/Diasec/ Dibond, 100 x 150 cm, © Felix Weinold
Felix Weinold, American Portrait 1, 2000, Mischtechnik/Druck/ Leinwand/Holz, 150 x 150 cm, © Felix Weinold
Ein zentrales Werk innerhalb der jüngeren Vergangenheit des Künstlers ist die sechsteilige Werkreihe American Portrait. Es handelt sich um eine Folge von sechs quadratischen Tafeln gleichen Formats, denen jeweils eine s/w-Fotografie zu Grunde liegt. Die Fotografien sind als formatfüllende Bildfonds angelegt, über welche sich in der vertikalen Bild-Mittelachse je ein breiter Farbstreifen zieht. Die Fotos zeigen Köpfe männlicher Personen, soviel ist klar. Erkennbar sind diese jedoch nur fragmentarisch. Die gleichförmige Frontalität und Position aller fotografierten Personen im Bildfeld lässt nur partiell deren Frisuren, Ohren oder Schulteransätze sichtbar werden. Ein weiteres Erkennen ihrer Gesichter wird durch die leuchtenden Farbbahnen unmöglich gemacht, die sich mit unerbittlicher Klarheit wie sinnlos schöne Störfelder einer defekten Bildröhre darüber ziehen.

Zugleich wird die Farbe damit aber auch zur Aussparung dessen, was wir als die „eigentliche“ Bildinformation vermuten könnten: Gesichtsausdruck, Charakter, Personalität, Identifizierbarkeit – zentrale Funktionen des Porträts also, werden eliminiert, überlagert, ausgelöscht. Eine Annäherung an die dahinterstehenden individuellen Realpersonen kann nicht stattfinden.
Dieses Vorgehen erhellt sich, wenn man sein Zustandekommen kennt. Im Internet stieß Weinold auf die Fotografien in Amerika in den 1920er Jahren hingerichteter junger Männer, die er zum Ausgangspunkt seiner Arbeit machte. Hinweise auf ihre Identität ließ er bewusst weg, lediglich die Initialen ihrer Vor- und Zunamen tauchen im Bildtitel auf.

Die ästhetische Zuspitzung, die der Künstler hier treibt, ist vor diesem Hintergrund in einer erweiterten Sinnebene zu lesen: Das abstrakte Element der Farbe in Weinolds Arbeit ist nicht nur ästhetisch motiviert, sondern wirkt wie ein geradezu brutaler „Einbruch“ in die Realsphäre. Die monochromen Farbpartien fungieren in Bezug auf die Fotografien auch als Leerräume, als Nivellierung des Tatsächlichen, die der Identitätszerstörung der Hingerichteten entspricht, deren reales Sein mit derselben unbarmherzigen Brutalität und Gnadenlosigkeit ausgelöscht wurde, wie sie den Verbrechen zu Grunde gelegen haben mag, für die man sie schuldig befand. Es ist eine harte Analogie, die American Portrait entwirft.

Weinolds Werk wird durch sie nicht zu einem moralisierenden Kunstentwurf, aber zu einem ästhetisch einfach-klaren Bild, das die Prinzipien moralischer Vorstellungen ästhetisch analogisiert und den Automatismus einer Rechtssprechung, welche die Todesstrafe einmal verhängt hat, als ein Stereotyp dieser Moral aufzeigt.
Felix Weinold, Melanie, 2010 Kodak Endura/Diasec, 50 x 80 cm, © Felix Weinold