© Daniel Biskup, Moskau 1995

Irdische Paradiese – Meisterwerke aus der Kasser Art Foundation

25.07.2009–10.01.2010 im Schaezlerpalais

Augsburg ist eine Kulturstadt von europäischem Rang. Hier gibt es Einiges, das es wert wäre als Weltkulturerbe anerkannt zu werden: der Dom, die beiden Ulrichskirchen, die Annakirche, die historische Wasserversorgung, das Rathaus, die Fuggerei, der Rokokofestsaal im Schaezlerpalais, die Renaissancebrunnen auf der Maximilianstraße und noch vieles mehr. Und doch gibt es Dinge, die man hier nicht findet: Die Kunst des Impressionismus und der Klassischen Moderne.

Diese Lücke wird nun von Juli bis November 2009 zeitweise geschlossen. Dann nämlich geben sich viele jener großen Künstler im Schaezlerpalais ein Stelldichein, die bisher meist einen Bogen um Augsburg gemacht haben: im Zuge der großen Sonderausstellung Irdische Paradiese – Meisterwerke aus der Kasser Art Foundation sind unter anderem Pablo Picasso, Henri Matisse, Claude Monet, Auguste Rodin, Pierre-Auguste Renoir, Paul Signac, Marc Chagall, Maurice de Vlaminck, Giorgio de Chirico, Mary Cassatt, Paul Cézanne, Honoré Daumier, Edgar Degas, Alexej von Jawlensky, Amedeo Modigliani, Max Pechstein, Jackson Pollock und Marino Marini zu Gast in Augsburg. Die historischen Räume im Schaezlerpalais sorgen für eine angemessene Atmosphäre und betonen die Intimität der Sammlung der Kasser Art Foundation. Die in den USA ansässige Stiftung wurde von Alexander (1909–1997) und Elisabeth Kasser (1920–2002) begründet und wird nun von ihren Kindern und Enkeln weiter getragen und von ihrer Tochter Mary V. Mochary geleitet.

Aus der Reihe der Exponate ergibt sich eine spannende Übersicht zur Entwicklung der Kunst vom Impressionismus bis in die Nachkriegszeit, doch stellt die Ausstellung gleichzeitig auch das Beispiel einer Privatsammlung vor, die nach persönlichen Gesichtspunkten zusammengetragen wurde. Die Sehnsucht nach irdischen Paradiesen spiegelt sich in vielen der Meisterwerke wider, so dass hier auch der Schwerpunkt der Präsentation liegt.

Zu den Spitzenwerken der von den Kassers zusammengetragenen Arbeiten zählen die großartigen Bronzen Auguste Rodins, darunter sein "Adam" oder "L’éternelle idole".
Paul Signacs berühmtes pointillistisches Gemälde "Au temps d’harmonie" hingegen schildert die moderne Variante eines harmonischen Zusammenlebens auf der Erde.
Auch die zahlreichen Landschaften von Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Alexej von Jawlensky, Max Pechstein, und ebenso die Aktdarstellungen von Pierre-Auguste Renoir, Paul Cézanne, Henri Matisse u. a. verweisen immer wieder auf das Paradies. Selbst in Jackson Pollocks Collage aus dem Jahr 1943 findet sich mit der Jakobsleiter ein unerwarteter Verweis auf himmlische Sphären.

Für den vertiefenden Zugang innerhalb des Ausstellungsrundgangs erhalten alle Besucher die Möglichkeit, einen Audioguide zu nutzen, auf dem auch eine spezielle Kinderführung zu hören sein wird, ferner erscheint ein reich bebilderter Ausstellungskatalog im Deutschen Kunstverlag. Außerdem werden verschiedene Führungen, darunter Überblicksrundgänge ebenso wie thematische Sonderführungen angeboten. Für Schulklassen wird ein eigenes Schwerpunktprogramm erarbeitet, das im benachbarten Erlebnis Museum im Höhmannhaus vertieft werden kann.

Augsburg kann sich im Sommer also auf eine Ausstellung freuen, die die hier kaum vertretene Kunst seit dem Impressionismus in den Mittelpunkt stellt. Begleitet wird die Schau von einem aufwändigen museumspädagogischen Programm.