Sophonias de Derichs, Johann Heinrich von Schüle, um 1772

Johann Heinrich von Schüle

03.12.2020–07.03.2021 im Grafischen Kabinett

Am 13.12.2020 jährt sich der 300. Geburtstag des bedeutendsten Kattunfabrikanten des späten 18. Jahrhunderts. Er macht den bedruckten Baumwollstoff zum größten textilen Massenartikel der damaligen Welt. In Künzelsau in einer Nagelschmied- Familie geboren, ist er begabt, fleißig und unermüdlich und zeigt schon früh großes Interesse an Textilien.

Nach einer Lehre als „Schnittwarenhändler“ kommt Schüle 1745 nach Augsburg, wo er nach Heirat als Großhändler, Kattundrucker und Produzent zu einem der führenden süddeutschen Unternehmer aufsteigt. In seiner Veredelungs- Manufaktur verarbeitet er neben Augsburger Stoffen unerlaubt auch große Mengen holländischer und Ostindischer Kattune. Im Streit mit Weber-Zunft und Stadt bestraft, verlässt er 1766 Augsburg für zwei Jahre.

Unterstützt durch den Kaiser wird er rehabilitiert, erhält sein Vermögen zurück und darf weiter fremde Stoffe veredeln. In seiner besten Zeit beschäftigt er in der Stadt 3500 Mitarbeiter fast 10% der Bevölkerung. Aufgrund wirtschaftlicher Probleme, Kontinentalsperre und Modewandel fallierte die an seine Söhne übergebene Firma in den Napoleonischen Kriegen.