Mobile Zeitmessung im Jahr 1527

Bei der Reinigung eines renaissancezeitlichen Massenfundes wurde kürzlich die Deckplatte einer Klappsonnenuhr entdeckt, die mit der Jahreszahl 1527 bezeichnet ist. Somit ist sie die älteste Uhr dieser Art, die bisher als archäologischer Fund bekannt geworden ist. In die ca. 31 mm breite, 34 mm hohe und 3,3 mm dicke, glatt polierte Knochenplatte ist mit feinen Linien ein Vertikalzifferblatt mit der Stundenfolge 6 – 12 – 6 eingraviert. In der Bohrung am Schnittpunkt der Stundenlinien war ursprünglich der als Schattenwerfer dienende Polfadens befestigt, der sich beim Aufklappen der Uhr zwischen Deckplatte und der verlorenen Grundplatte spannte. Für die Zeitmessung musste die Uhr waagrecht stehen, mithilfe des in die Grundplatte eingelassenen Kompasses in Nord-Süd-Richtung orientiert sein und der Polfaden parallel zur Erdachse ausgerichtet sein; sein Winkel zur Grundplatte musste also der geographischen Breite des Standorts entsprechen. Klappsonnenuhren konnten die Zeit bis zu einer Viertel- bis halben Stunde genau anzeigen und waren damit genauer als die Räderuhren an den Kirchtürmen, die übrigens nach ortsfesten Sonnenuhren immer nachgestellt werden mussten. Als transportable Zeitmesser bedienten die kleinen handlichen Taschenuhren zudem ein wachsendes Bedürfnis nach unabhängiger Bestimmung der Tageszeit.

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