Fotot: Norbert Schessl
© Norbert Schessl
© Norbert Schessl

Norbert Schessl – Übergangslösung

25.09.2020–31.01.2021 im Rokokofestsaal des Schaezlerpalais

Norbert Schessls Intervention im Festsaal des Schaezlerpalais‘ ist eine temporäre „Übergangslösung“.

Der in Gaulzhofen lebende Bildhauer verteilt schwarze Granitplatten auf dem Parkettboden des Saales. Ihre hochglänzende spiegelnde Oberfläche mischt sich dabei in die dem Saal zugrundeliegende Auflösung der Wandflächen ein. Oder anders gesagt: Der Bildhauer spielt mit den spiegelnden schwarzen Flächen, nutzt sie als neues Reflexionsmedium. Barocke Spiegelung versus moderner Nero Assoluto aus Italien, so die Bezeichnung des dunklen Granits.

Die 21 schwarzen Platten mit den Maßen 60 x 30 cm sind bei genauerer Betrachtung zudem mit Zeichnungen versehen, feinen filigranen Handzeichnungen, die Schessl mit dem Meißel in die glänzenden Oberflächen gleichsam „eingeritzt“ hat. Seine Platten sind somit ein Dazwischen: Sie liegen auf dem Boden, entmaterialisieren diesen und verweisen zugleich aufgrund ihrer Reflektion auf die Auflösungskraft des Lichtes. Dennoch sind sie auch steingewordene Grafiken, die die persönliche Handschrift Schessls dokumentieren. Interessanterweise sind auch die nicht sichtbaren Unterseiten der Platten mit Zeichnungen versehen, jeweils dasselbe Motiv nur spiegelverkehrt.

Schessls Stein-Zeichnungen sind Beschäftigungen mit Bill Violas Videoinstallation „Three Women“, die im letzten Jahr in der Moritzkirche gezeigt wurde und die drei Frauen zeigt, die einen Wasservorhang durchschreiten. Die Frauengestalten sind in spontanen Zeichnungen festgehalten und in Stein verewigt. Insofern ist Schessls Intervention – die ausdrücklich auch betreten werden darf – weitaus mehr als eine bloße „Übergangslösung“.