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02/18_Steinmauern am römischen Forum

Bei der Sanierung des Seniorenwohnheims St. Afra im Kleinen Karmelitengässchen 6-8 mussten archäologische Untersuchungen durchgeführt werden. An dieser Stelle stand einst das Militärlager und nach dessen Aufgabe im Jahr 70 n. Chr. das Forum der römischen Stadt. Es wurden mehrere Laufniveaus aus der Nutzungszeit des Militärlagers freigelegt und mindestens zwei Steinbauphasen eines Gebäudetraktes, der den Forumsplatz nach Osten hin begrenzte. Hier waren sehr wahrscheinlich Einkaufsläden, sog. tabernae untergebracht.

Beeindruckend sind vor allem die für Augsburger Verhältnisse sehr gut erhaltenen Fundamente der Forumsbauten mit teils aufgehendem Mauerwerk. Letzteres wurde als Zweischalenmauerwerk ausgeführt, mit äußeren Mauerschalen aus sorgfältig aneinandergefügten Tuffsteinquadern und einem Mauerkern aus Tuffsteinbuch und Mörtel. Im Mit-telalter baute man gezielt nur die gut wiederverwendbaren Tuffquader der Mauerschalen ab, während der Mauerkern weit höher erhalten blieb. Gemeinsam mit Bauherrn und Architekten ist nun eine Lösung gefunden worden, diese Mauern unter dem geplanten Neubau zu erhalten.

Bei der Grabung 1994 am Vincentinum in Augsburg wurde die Schiffslände gefunden (Foto: Stadtarchäologie)
Kettchen aus Golddraht mit Smaragdperlen (Foto: Stadtarchäologie)

01/18_Der Brückenkopf in Hochzoll

Bis weit in das 19. Jahrhundert konnte man den Lech bei Augsburg nur auf zwei Brücken überqueren: Die nördliche führte nach Lechhausen, die südliche nach Friedberg. Letztere ist erstmals um 1030 urkundlich erwähnt und war im Besitz des Klosters St. Ulrich und Afra. Auf Karten des frühen 19. Jahrhunderts sind auf der Ostseite der Brücke imposante Verschanzungsanlagen verzeichnet, die den Übergang militärisch absicherten. Sie wurden vermutlich im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges oder im Zuge des Spanischen Erbfolgekriegs 1703/4 angelegt.

Die äußere Verschanzung mit einer Gesamtlänge von 950 m umfasste eine dreieckige Fläche, sie wies an ihrer Ostspitze eine fünfeckige vorspringende Bastion auf, die den Durchgang der Straße deckte. Im Inneren lag eine stumpf fünf­eckige Wall-Graben-Befestigung mit 430 m Gesamtlänge. Nach dem Anschluss Augsburgs an Bayern hatte die Befestigung ihre militärische Bedeutung verloren. Die Schanzen wurden eingeebnet und von den Eisenbahnanlagen und der rasch wachsenden Siedlung Hochzoll überbaut, so dass heute im Gelände keine Reste mehr zu erkennen sind. Bei einer archäologischen Untersuchung im Herbst 2017 konnten nun erstmals Teile der äußeren Befestigungsanlage in Form von drei gestaffelten Gräben aufgedeckt werden.

Plan der Brückenkopfbefestigung im Urkataster ca. 1810 (Quelle: Geodatenamt)
Querschnitt durch einen Graben der Brückenkopfbefestigung. Foto: 3Archäologen GbR, Moorenweis

04/17_Ein Eulenpokal der Renaissance aus Augsburg

Eulenpokale gehören zu den faszinierendsten keramischen Gefäßen der Renaissance in Mitteleuropa. In Museen und Sammlungen haben sich nicht einmal 20 Exemplare prachtvoller Eulengefäße, meist in Fayencetechnik hergestellt, erhalten; als archäologischer Fund sind Eulengefäße eine große Seltenheit. Der neue Augsburger Eulenpokal, der in viele kleine Scherben zerbrochen war, wurde bereits im Jahr 2003 gefunden. Als man schließlich im vergangenen Jahr für die Umzugsvorbereitungen der Stadtarchäologie viele Funde – darunter die Eule – wieder genau unter die Lupe nahm, war der Entschluss, diese für eine Ausstellung zu restaurieren und die fehlenden Teile zu ergänzen, schnell gefasst.

Wie alle Eulenpokale besteht auch das Augsburger Exemplar aus zwei auf der Scheibe gedrehten Teilen, dem Unterteil bzw. Korpus und dem darauf sitzenden Kopf, den man abnehmen kann. Der erste Blick richtet sich meist auf die von großen Schleiern umrahmten Augen, zwischen denen ein kräftiger Schnabel hervorragt. Auf der Vorderseite des Korpus sitzt der Doppeladler, das kaiserliche Wappen, mit zwei steigenden Löwen als Schildhalter. Fast ansatzlos kommen die dünnen Beine aus dem unteren Teil des Korpus heraus; die drei vorderen Zehen der Fänge krallen sich am Rand der Standplatte fest. Der Eulenpokal, der wohl als Trinkgefäß für besondere Anlässe verwendet wurde, ist noch bis Anfang Dezember in der Ausstellung „Bodenschätze“ im Maximilianmuseum zu sehen.

Eulenpokal aus polychrom glasierter Irdenware, H. 22 cm, gefunden Bei St. Barbara 2, Mitte bis zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts (Foto: Stadtarchäologie, Michaela Hermann)

03/17_Grabungen am Ulrichsplatz

Bei den inzwischen abgeschlossenen Ausgrabungen am Ulrichsplatz 17 kamen unter anderem die Überreste einer wohl vom 16. bis ins 19. Jahrhundert genutzten, holzverschalten Latrine zum Vorschein. Aus der untersten Einfüllschicht stammt ein Münzfund mit etlichen eng beieinander gelegenen, stark zusammen gebackenen bronzemünzen und zwei Goldmünzen. Die bronzemünzen sind sehr schlecht erhalten, Anhaltspunkte für deren Datierung können hoffentlich nach erfolgter Restaurierung gewonnen werden.

Bei den Goldmünzen handelt es sich um zwei Ecu d´or au soleil, beide zwischen 1498–1515 unter könig Louis XII von frankreich geprägt. Auf dem Avers ist jeweils LVDoVIcVS DEI GRAtIA fRANcoRVM REX und auf dem Revers XRS VINcIt XRS REGNAt XRS IMpERAt zu lesen. Aufgrund der punktmarken unter dem 12., bzw. dem 14. buchstaben der umlaufenden Schrift ist die eine Münze in Lyon, die andere in troyes geprägt worden. Als diese Münzen im Umlauf waren bewohnte das Anwesen Lukas Meuting mit seiner familie. ob ihm selber beim Verrichten seines Geschäfts der Münzbeutel in die Latrine fiel oder einem seiner familienangehörigen oder Gäste lässt sich nicht mehr ermitteln. fest steht nur, dieser toilettengang war für den betroffenen mit Sicherheit ein Verlust-Geschäft.

Erhaltene Holzverschalung der Latrine
Bronze- und Goldmünzen aus der Latrine am Ulrichsplatz

02/17_Das neue Archäologische Zentraldepot (AKS)

Die Bauarbeiten am archäologischen Zentraldepot auf dem Gelände der ehemaligen Augsburger Kammgarnspinnerei sind nun abgeschlossen. Unmittelbar nach der offiziellen Schlüsselübergabe am 8. März 2017 beginnt die Stadtarchäologie mit dem Umzug ihrer Büros und des Dokumentationsarchivs. Dann folgen nach und nach die Funde aus den über das Stadtgebiet verteilten Außendepots, deren Verlagerung etwa eineinhalb Jahre dauern wird. Der überwiegende Teil der Funde wird in einer zweigeschossigen Fahrregalanlage im großen Hauptmagazin ihren Platz finden. Daneben gibt es Sondermagazine, zum Beispiel für die sogenannten Kleinfunde oder für Metallobjekte, die nun endlich unter geeigneten Klimabedingungen aufbewahrt werden können.

Im Untergeschoss wird das Magazin für die Steindenkmäler untergebracht. Die langersehnte Fertigstellung des neuen Magazingebäudes ist ein großer Schritt für die Stadtarchäologen, die im neuen Gebäude alle Arbeitsbereiche unter einem Dach vereinen konnten. So sind gute Voraussetzungen für die fachgerechte Betreuung der Sammlungsbestände und deren weitere Erschließung entstanden, was zukünftigen Forschungsprojekten und Ausstellungsvorhaben zugutekommt. Sobald die größten Turbulenzen unseres Büroumzugs überstanden sind, sind öffentliche Führungen zum Gebäude und zu seiner Nutzung vorgesehen.

Die große Betonshedhalle bietet auf 1130 m² Platz für Fahrregale auf zwei Ebenen sowie den Zuwachs künftiger Jahre. Foto: Jost-G. Thorau

01/17_Bronzezeitliche Grabhügel im Univiertel

Südlich der Universität entsteht derzeit der Innovationspark Augsburg, ein erweiterter Campus für universitäre und gewerbliche Forschungseinrichtungen. Wie die bauvorbereitenden Ausgrabungen zeigen, lebten und arbeiteten schon vor 3500 Jahren Menschen an diesem Standort. Ihre Toten bestatteten sie in Grabhügeln, die aufgrund von jahrtausendelanger Erosion mittlerweile vollständig verebnet sind. Nachweisbar sind sie anhand ca. 50 cm breiter Gräben, die Kreise zwischen 3 m und 18 m Durchmesser bilden. Sie umgaben ursprünglich die Hügel und sind heute mit dunklerem humushaltigem Material verfüllt. Grabenunterbrechungen mit Spuren von Holzpfosten deuten auf ehemalige Zugänge. Sie liegen stets im Süden der Kreisgräben, was auf einheitliche Regelungen oder Glaubensvorstellungen hinweisen könnte.

In einigen Fällen blieben die rechteckigen Grabgruben im Zentrum der Grabhügel von der Erosion verschont. Wie in dieser Zeit üblich, wurden die Toten mit dem Kopf im Süden beerdigt, von ihren Gewändern sind nur noch die Verschlüsse in Form von langen, verzierten Bronzenadeln erhalten geblieben. Keramikgefäße enthielten vermutlich Speisen und Getränke. In einem Männergrab war ein Bronzebeil beigegeben worden, eine wertvolle Waffe sowie Statussymbol.

Freilegung einer Bestattung der mittleren Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) beim Technologiezentrum. Foto: Stadtarchäologie
Drohnenfoto eines Kreisgraben als Rest eines Grabhügels. Foto: 3Archäologen GbR, Moorenweis

04/16_Augsburger Beiträge zur Archäologie – Römische Monumentalarchitektur in Augsburg

In einer Stadt, in der durch die Überbauung nachfolgender Epochen buchstäblich kein römischer Stein auf dem anderen geblieben ist, ist es nicht einfach, sich das Aussehen der antiken Großbauten vorzustellen. Nur einzelne Bauteile wie Architrave, Säulentrommeln und Kapitelle wiesen bis jetzt auf die ehemalige Existenz bedeutender, monu­mentaler Bauwerke in der ehemaligen römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum/Augsburg hin.

Erstmals hat nun mit Klaus Müller ein Bauforscher diese Bauglieder systematisch untersucht und die Größe von römischen Tempeln und anderen öffentlichen Gebäuden rekonstruiert. Der Klassische Archäologe Johannes Lipps weist in seiner Analyse der dekorierten Bauteile nach, dass in der Stadt schon bald nach ihrer Gründung monumentale Steingebäude standen. Stilistische Vorbilder fand man im 1. Jahrhundert in Oberitalien, später in den Rhein-Moselprovinzen. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts sind nun als Band 7 der Reihe „Augsburger Beiträge zur Archäologie“ erschienen. Ergänzende Beiträge von Sebastian Gairhos, Michaela Hermann und Klaus Poschlod beleuchten den Bezug der Großarchi­tektur zu den archäologischen Befunden, die Geschichte des römischen Lapidariums von Augsburg und die Herkunft des von den römischen Baumeistern verwendeten Steinmaterials.

Klaus Müller und Johannes Lipps: Römische Monumentalarchitektur in Augsburg. Augsburger Beiträge zur Archäologie Band 7 (Wißner-Verlag Augsburg, 2016). 168 Seiten mit Abb.

03/16_Bronzestatuette des Merkur

Bei Ausgrabungen in der Jesuitengasse kamen unter Anderem Überreste römischer Fachwerkhäuser und teils mit Fußbodenheizung und Wand­malereien ausgestattete Steingebäude zum Vorschein. Hervorzuheben ist eine frührömische Opfergrube, verfüllt mit zahlreichen Tonscherben, darunter viele sog. terra sigillata Gefäße aus Südgallien mit Töpferstempel. Als kleine Sensation ist der Fund einer Merkurstatuette zu bezeichnen. Sie ist 7,1 cm hoch und bis auf einen abgebrochenen Flügel am Hut (petasus) unversehrt. Sie gehört zum relativ weit verbreiteten Typus des bekleideten Merkur mit Reisemantel, geflügeltem Filzhut und Flügelschuhen. Er hält den Geldbeutel vorgestreckt, in der anderen Hand den Heroldstab (caduceus).

Der wegen seiner Zuständigkeit für Gewinn und Wohlstand bei Händlern sehr beliebte Merkur ist in Augsburg die am häufigsten vorkommende Gottheit. Die Statuette war wohl ursprünglich im Hausheiligtum eines wohlhabenden römischen Händlers aufgestellt. Sie befand sich vermutlich zuletzt als Rohmaterial im Besitz eines Metallhändlers, bevor sie endgültig in einer nachrömischen Schuttschicht landete.

Bronzestatuette des Merkur
Tongefäße in einer römischen Opfergrube und Merkurstatuette, gefunden in der Jesuitengasse.

02/16_Mittelalterliche Holzkonstruktionen am Hunoldsgraben

700 Jahre alte Holzkonstruktionen findet man bei Grabungen in Augsburg nicht jeden Tag. Aufgrund besonderer geologischer Verhältnisse haben sich im rückwärtigen Grundstücksbereich der Baustelle Maximilianstraße 23 zum Hunoldsgraben hin organische Materialien aus dem Mittelalter ausgezeichnet erhalten. Neben qualitätvollen Keramik- und Glasgefäßen geben so ausnahmsweise auch Lederschuhe, gedrechselte Holzgefäße, Kirschkerne und Walnussschalen ganz neue Einblicke in die Alltagskultur des Hoch- und Spätmittelalters. An den außergewöhnlich gut konservierten Holzbohlenverschalungen mehrerer Latrinenschächte ließen sich nicht nur Details ihrer Konstruktionstechnik ablesen, sondern sogar noch die Werkzeugspuren der Zimmerleute erkennen.

Holzbohlenverschalung einer spätmittelalterlichen Latrine am Hunoldsgraben
Holzgefäß aus einzelnen Brettchen (Dauben) in Fundlage

01/16_Bronzezeitlicher Brunnen im Innovationspark

Südlich der Universität entsteht derzeit ein erweiterter Forschungscampus für neue Werkstoffe. Doch schon vor 3000 Jahren wurde an diesem Standort mit neuen Materialien experimentiert: Bei der archäologischen Untersuchung im Vorfeld eines Neubauvorhabens der Universität stießen die Archäologen auf einen 3 m tiefen Brunnen aus der Spätbronzezeit (ca. 1300 – 800 v. Chr.). Der 1,80 m x 1,20 m messende Schacht war mit vier großen Steinplatten ausgesteift. In der Bronzezeit stellte eigentlich Holz das bevorzugte Baumaterial für Gebäude und für Brunnenverschalungen dar, die in der Regel aus Bohlen in Blockbauweise ausgeführt wurden. Im Fall des neu entdeckten Brunnens scheint man die Vorzüge des plattenartig vorkommenden Kalktuffs erkannt zu haben. Dieser poröse, recht weiche und damit einfach zu bearbeitende Stein entsteht im Umfeld stark kalkhaltiger Quellen, die nächsten Vorkommen liegen in der Meringer Au und auf dem Lechfeld. Die bis zu 1,40 m langen, 1,20 m hohen und 20 – 40 cm dicken Platten wurden für den Brunnenbau nur sehr grob zugehauen. Der Transport und der Einbau der mehr als 200 kg schweren Elemente dürfte aber eine technische Herausforderung dargestellt haben. Der Durchbruch des neuen Werkstoffs erfolgte daher erst ein Jahrtausend später unter den Römern.

Bronzezeitlicher Brunnenschacht aus Kalktuffplatten
Brunnenschacht aus der Spätbronzezeit

04/15_Mobile Zeitmessung im Jahr 1527

Bei der Reinigung eines renaissancezeitlichen Massenfundes wurde kürzlich die Deckplatte einer Klappsonnenuhr entdeckt, die mit der Jahreszahl 1527 bezeichnet ist. Somit ist sie die älteste Uhr dieser Art, die bisher als archäologischer Fund bekannt geworden ist. In die ca. 31 mm breite, 34 mm hohe und 3,3 mm dicke, glatt polierte Knochenplatte ist mit feinen Linien ein Vertikalzifferblatt mit der Stundenfolge 6 – 12 – 6 eingraviert. In der Bohrung am Schnittpunkt der Stundenlinien war ursprünglich der als Schattenwerfer dienende Polfadens befestigt, der sich beim Aufklappen der Uhr zwischen Deckplatte und der verlorenen Grundplatte spannte.

Für die Zeitmessung musste die Uhr waagrecht stehen, mithilfe des in die Grundplatte eingelassenen Kompasses in Nord-Süd-Richtung orientiert sein und der Polfaden parallel zur Erdachse ausgerichtet sein; sein Winkel zur Grundplatte musste also der geographischen Breite des Standorts entsprechen. Klappsonnenuhren konnten die Zeit bis zu einer Viertel- bis halben Stunde genau anzeigen und waren damit genauer als die Räderuhren an den Kirchtürmen, die übrigens nach ortsfesten Sonnenuhren immer nachgestellt werden mussten. Als transportable Zeitmesser bedienten die kleinen handlichen Taschenuhren zudem ein wachsendes Bedürfnis nach unabhängiger Bestimmung der Tageszeit.

Deckplatte einer Klappsonnenuhr aus Knochen mit Jahreszahl 1527

03/15_Funde vom alten Theater

Die Stadtarchäologie ist manchmal der erste Ansprechpartner, wenn unerwartet ungewöhnliche Funde zutage kommen. So war es auch Ende August 2014, als in einem Wertachkanal nahe der Kulperhütte eine ca. 1,25 Meter hohe, im Stil der Neorenaissance verzierte Säulentrommel mit dem Bagger freigelegt wurde. Einige Monate später stieß man etwa 50 Meter entfernt auf ein identisches Bauteil. Die beiden Säulentrommeln konnten schon bald dem in den Jahren 1876–1878 nach Plänen der Wiener Architekten Helmer & Fellner errichteten Augsburger Theater zugeordnet werden. Dort dienten sie als Postamente der großen kannelierten Säulen im Obergeschoss der Portalfront. Bei der Umgestaltung des Theaters in den Jahren 1937–1939 hat man die verzierten Teile der Säulen entfernt.

Wohin sie danach gebracht wurden und wann sie schließlich an ihren jetzigen Fundort gelangten, ließ sich bis jetzt nicht ermitteln. Dass sie gerade zu der Zeit wieder gefunden wurden, in der die Generalsanierung des Theaters auf der Tagesordnung steht, ist allerdings ein fast schon wundersamer Zufall. Man wird sehen, ob die aus Kunststein gefertigten Säulenteile, die durch die unpassende Behandlung kleinere Schäden davongetragen haben, wieder ans Theater zurückgeführt und dort in irgendeiner Form gezeigt werden können. Bis dahin werden sie im Depot der Stadtarchäologie sicher verwahrt.

Das 1876–1878 erbaute Theater auf einer Fotografie von 1899.
Säulentrommel nach der Bergung aus dem Wertachkanal

02/15_Abgebrannter römischer Holzkeller in der Frölichstraße 17

Im Zuge der Neubebauung des Diakonissenkrankenhauses wurde im Herbst 2014 der letzte noch verbliebene Trakt des alten Krankenhauses abgebrochen. Darunter kamen unter anderem die Überreste des Kellers eines römischen Holzgebäudes zum Vorschein. Es hatten sich unter einer Brandschuttschicht verkohlte Holzbretter der Verschalung und des Fußbodens erhalten. Darunter zeichneten sich an den Kellerrändern die Standspuren der Pfosten mit ihren Pfostengruben ab. Der Keller hatte eine Seitenlänge von ca. 13 m. Eine flache Vertiefung an der Nordostseite lässt annehmen, dass sich hier wohl der Eingang befand. Es lässt sich ein Pfostenständerbau mit Halbkeller und zumindest in der Osthälfte einem Bretterboden, der auf Schwellbalken ruhte, rekonstruieren. In der Brandschicht lagen sehr viele geschmiedete Eisennägel, die wohl von der Dachkonstruktion stammen sowie ein eiserner Schildbuckel. Daran hing noch einer von einst drei Eisennägeln mit denen dieser am Holzschild befestigt war. Aufgrund der umgebogenen Nagelspitze lässt sich eine Schildstärke von ca. 2 cm ermitteln. Der Schild wurde vermutlich zu Reparaturzwecken im Keller aufbewahrt. Dieses römische Holzgebäude ist im letzten Drittel des zweiten Jahrhunderts n. Chr. im Zuge feindlicher Übergriffe zerstört und danach nicht wieder aufgebaut worden.

Augsburg, Frölichstraße 17. Baubegleitende Freilegung des römischen Holzkellers
Schildbuckel aus Eisen. Durchmesser 15,5 cm

01/15_Gräber der Eisenzeit in Göggingen

Bei bauvorbereitenden Ausgrabungen im Gög­ginger Neubaugebiet südlich der Friedrich-Ebert-Straße konnte ein Gräberfeld der älteren Eisenzeit (ca. 750–600 v. Chr.) untersucht werden. Die Toten hatte man überwiegend eingeäschert und in Urnen aus Ton beigesetzt. Typisch für diese Zeit ist die Beigabe von weiteren Keramikgefäßen, die ursprünglich Getränke und Speisen enthielten. Mehrere Bestattungen wurden nicht verbrannt. Soweit aus ihnen datierbare Funde vorliegen, stammen sie aus jüngeren Epochen, wie der Frühlatènezeit (ca. 400 v. Chr.) oder gar der Spätantike (ca. 400 n. Chr.). Offenbar hatte man diese Toten ganz bewusst in der Nähe der viel älteren Gräber beigesetzt, woraus man schließen kann, dass diese oberirdisch noch zu erkennen waren. Spuren solcher Markierungen – zeittypisch wären aufgeschüttete Grabhügel – ließen sich bei der Gra­bung nicht mehr nachweisen. Eine dieser Nachbestattungen, ein Mann mittleren Alters, lag auf dem Bauch in einer derart verzerrten Haltung, dass seine Füße hinter dem Kopf zu liegen kamen. Wie und warum man den Toten in diese unnatürliche Position brachte, wird die wissenschaftliche Auswertung dieses ungewöhnlichen Befundes klären.

Eisenzeitliche Bestattung eines Mannes in unnatürlicher Körperhaltung.

04/14_Flötentöne in Augusta Vindelicum

Die Restaurierung der römischen Metallfunde, die Ende 2012 aus dem Lechkies beim Alten Hauptkrankenhaus geborgen wurden, bringt immer wieder Überraschendes ans Licht. Aus etlichen unscheinbaren Fragmenten konnte nun ein Teil einer römischen Flöte zusammengesetzt werden – die bislang einzige in Bayern. Sie bestand aus mehreren Bronzeblechhülsen und fein gedrechselten Röhren aus Knochen, die sich ineinanderstecken ließen. Die Tonhöhe war somit durch Verlängern bzw. Verkürzen variabel.

Von antiken Flöten (griech.: aulos; latein.: tibia) existieren zahlreiche zeitgenössische Abbildungen und Beschreibungen; Originalfunde sind dagegen sehr selten. Die Töne erzeugte man mit einem oder zwei Rohrblättchen, ähnlich wie bei Klarinetten bzw. Oboen. Üblicherweise hielt der Spieler zwei unterschiedlich lange Röhren, jeweils mit einer Hand, und war somit in der Lage, zweistimmig zu spielen. Über das Öffnen bzw. Schließen von Löchern mit den Fingern bzw. durch Metallmanschetten und Wachspfropfen erreichten die Flöten einen beachtlichen Tonumfang und man konnte mit ihnen auch komplexe Melodien erzeugen. Der unerwartete Neufund erlaubt uns einen kleinen Einblick in das musische Leben im römischen Augsburg.

Fragment einer römischen Flöte, gefunden 2012 beim Alten Hauptkrankenhaus. Länge noch 13 cm
Darstellung eines Aulos-Spielers auf einer griechischen Vase

03/14_Der Untergrund der Dominikanerkirche

Die ersten wissenschaftlichen Voruntersuchungen in der Dominikanerkirche haben bereits viele aufschlussreiche und spektakuläre Ergebnisse zutage gefördert. Neben Mauerwerk und Estrichfußböden mittelalterlicher Vorgängerbauten wurden in einigen Bereichen großartig erhaltene, farbige figürliche Wandmalereien freigelegt. Zwischen den geziegelten Gew.lben sind zahlreiche weitere Beisetzungen aufgefunden worden. Die gewonnenen Erkenntnisse zur Statik des Gebäudes erlauben eine gesicherte Entfernung des besch.digten Plattenbodens um weitergehende Untersuchungen einzuleiten. Dies ist der n.chste Schritt bei der dringend notwendig gewordenen Generalsanierung. Die zukünftige Nutzung der ehemaligen Klosterkirche und der Standort eines neuen Römischen Museums in Augsburg werden in Planerwerkstätten diskutiert. Die Vorbereitungen für die Sonderausstellung in der Toskanischen Säulenhalle laufen, die ersten Exponate haben bereits ihren Weg an den neuen Standort gefunden.

02/14_Römische Grabinschrift in Oberhausen entdeckt

Ende Januar wurde bei archäologisch begleiteten Aushubarbeiten an der Donauwörther Straße ein Teil eines römischen Grabmonuments entdeckt. Der 1,8 Tonnen schwere Kalksteinblock mit umlaufendem Gesims trägt eine fünfzeilige Inschrift, die uns Einblicke in das Leben eines frühen Augsburgers erlaubt. Tiberius Claudius Victor, ein ehemaliger Gardereiter des Statthalters (eques singularis), wurde nach seiner Militärzeit Kaufmann für Textilerzeugnisse (negotiator artis vestiariae) und verstarb im Alter von 70 Jahren. Seine Gemahlin ließ das Grabdenkmal zusammen mit den Freigelassenen der Familie aufstellen. Die Inschrift aus dem späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert n. Chr. bereichert unsere Kenntnis zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte von Augusta Vindelicum um mehrere wichtige Aspekte.

Interessant ist z. B. die Tatsache, dass der Soldat nach seiner Dienstzeit einen zweiten Beruf erlernte. Wie auch weitere Inschriften aus Augsburg zeigen, scheint der Textilhandel ein wichtiges Standbein der hiesigen Wirtschaft gewesen zu sein; die in diesem Sektor tätigen Kaufleute waren sogar in einer Art Zunft organisiert. Der Fundort verweist außerdem auf eine große städtische Nekropole jenseits der Wertach, die in nachantiker Zeit von mehreren katastrophalen Hochwasserereignissen zerstört wurde. Nur die schweren Steindenkmäler blieben verkippt im Flußbett liegen und wurden von meterhohen Kiesschichten überlagert.

Grabinschrift bei der Entdeckung

01/14_Der mittelalterliche Friedhof unter dem Kesselmarkt

Nur wenigen Passanten oder Autofahrern, die heutzutage im Kesselmarkt unterwegs sind, dürfte bewusst sein, dass sich an dieser Stelle einstmals ein Friedhof befand. Da man hier in der Vergangenheit bei verschiedenen Baumaßnahmen immer wieder auf Gräber gestoßen war, wurde vor der Verlegung von Versorgungsleitungen die geplante Trasse im Kesselmarkt archäologisch untersucht. Dabei legte man zahlreiche Bestattungen frei, die dicht an dicht – mit dem Kopf im Westen – in bis zu acht Schichten übereinander lagen. Bei den gut erhaltenen Skeletten von Männern, Frauen und Kindern befanden sich keinerlei Beigaben. Die Art der Bestattungen spricht am ehesten für eine Datierung in das späte Mittelalter, genauere Altersangaben erwarten wir von der geplanten C14-Analyse ausgewählter Individuen. Vermutlich steht der Friedhof in Zusammenhang mit einer um 1070 geweihten St.-Martin-Kapelle. Im 13. Jahrhundert hatte sich dort ein Frauenkloster entwickelt, das im Zuge der Reformation aufgelöst wurde. 1538 wurde die Martinskirche abgebrochen. Ihre Fundamente hat man eingeebnet und über dem Friedhof entstand ein öffentlicher Platz – der heutige Kesselmarkt.

Freilegung von Skeletten im Sommer 2013
Darstellung der Martinskirche auf dem Seld-Plan von 1521

04/13_Alamannenschmuck aus Göggingen

Das frühmittelalterliche Gräberfeld von Göggingen (im Jahr 969 erstmals als „Geginga“ urkundlich erwähnt) im Bereich der heutigen Gerhart-Hauptmann-Straße und des Römerwegs ist schon seit 1927 bekannt. Vor der Bebauung des ehemaligen Seysselschen Gartengutes wurden fast 200 Gräber aus der Zeit von der Mitte des 6. bis zum Anfang des 8. Jhs. n. Chr. aufgedeckt. Dass damals nur ein Ausschnitt des Friedhofs freigelegt wurde, zeigen mehr als 50 weitere Bestattungen, die seither bei diversen Erdarbeiten zum Vorschein kamen.

Die ursprüngliche Anzahl der Gräber lässt sich auf mehr als 500 schätzen. Im Frühsommer 2012 untersuchte die Stadtarchäologie im Vorfeld von Baumaßnahmen erneut 15 Bestattungen in der Gerhart-Hauptmann-Straße. Im Gegensatz zu den meisten Gögginger Gräbern war das Grab einer Frau nicht von ihren Zeitgenossen beraubt worden, so dass ihre umfangreichen Beigaben geborgen werden konnten. Sie datieren ins frühe 6. Jh. n. Chr. und weisen die Bestattung als die bislang älteste des Friedhofs aus. Besonders beeindruckend ist ein Paar je 9,1 cm langer Bügelfibeln aus massivem Silber mit Spuren von Vergoldung. Nach Abschluss der Restaurierung entfalten die Schmuckstücke mit prächtigem Kerbschnittdekor nun wieder ihre ursprüngliche Wirkung.

Bügelfibel (Gewandverschluss) aus vergoldetem Silber, vor der Restaurierung (Foto: Detlef Bach, Winterbach)
Bügelfibel (Gewandverschluss) aus vergoldetem Silber, nach der Restaurierung (Foto: Detlef Bach, Winterbach)

03/13_Neues zu den Römern in Oberhausen

Dass die Oberhauser Flur in römischer Zeit eine wichtige Rolle spielte, war seit der Auffindung des großen Grabmals 1709 in der Zollernstraße bekannt. 1913 folgte die Entdeckung von tausenden römischer Metallobjekte aus einer Kiesgrube nahe der heutigen Weiherstraße, und 1999 konnten erneut steinerne Grabdenkmäler aus einer Baugrube in der Hofer Straße geborgen werden. Nun ist bei einer archäologischen Untersuchung im Vorfeld der Bauarbeiten für einen neuen Kindergarten in der Zollernstraße der Nachweis von römischen Gebäuden gelungen. Unter der Obstwiese eines ehemaligen Bauernhofs wurden dabei dichte Spuren zahlreicher Holz- und Fachwerkgebäude des 1. Jahrhunderts n. Chr. freigelegt.

Aus dem überaus reichen Fundmaterial der Ausgrabung sind viele gut erhaltene Metallobjekte hervorzuheben, darunter ein noch vollständig bewegliches Armkettchen aus Bronze, und ein silberner Fingerring in Schlangenform. Mehrere qualitätvoll bearbeitete Architekturteile aus Kalktuff lassen auf repräsen­tative Steingebäude – möglicherweise ein Heiligtum – in der Nähe der Fundstelle schließen. Vor den Toren der Provinzhauptstadt AVGVSTA VINDELICVM, jenseits des Wertachübergangs der VIA CLAVDIA hatte sich offensichtlich ein florierender römischer Siedlungsplatz entwickelt.

Funde aus der römischen Siedlung in Oberhausen, darunter Armkettchen und Fibel aus Bronze, Nähnadel und Messergriff aus Knochen, silberner Fingerring, farbiges Glas (Foto: D. Narr, Patzelt&Peter).

02/13_Römische Gräber und hochmittelalterliche Textilproduktion

Bei Ausgrabungen der Stadtarchäologie Augsburg am Ulrichsplatz 17 wurden seit August 2012 dichte archäologische Befunde der Römerzeit, des Hochmittelalters und der frühen Neuzeit freigelegt. Die hier entdeckten spätrömischen Körpergräber gehören zum bereits gut erforschten spätrömisch-frühmittelalterlichen Gräberfeld bei St. Ulrich und Afra, das unmittelbar südlich angrenzt. Eine der Bestattungen war mit Speis- und Trankbeigaben ausgestattet, bei anderen fand sich Trachtzubehör.

Leider sind die meisten Gräber bereits im Hochmittelalter durch intensive Bodeneingriffe beseitigt worden. Damals haben Textilhandwerker hier zahlreiche rechteckige Grubenhäuser ca. 1 bis 1,5m tief in den Boden gegraben. Darin standen jeweils mittig Webstühle aus Holz von denen nur die massiven Pfostenlöcher erhalten blieben. Grubenhäuser eigneten sich vor allem für die Leinenweberei. Die hohe und konstante Luftfeuchtigkeit verhinderte, dass die leinenen Kettfäden brüchig wurden. In einem dieser Grubenhäuser lag ein mit Ritzlinien verziertes, nahezu quadratisches Webbrettchen aus Knochen. Solche an den Ecken gelochten Scheiben dienten der Herstellung von schmalen Bändern oder Borten.

Spätrömische Körperbestattung eines ca. 5 Jahre
alten Mädchens mit Bronzearmreif am rechten Arm

01/13_Spuren einer antiken Überschwemmung beim Vincentinum

Wieder einmal war der Bau einer Tiefgarage An­lass zu archäologischen Untersuchungen. Beim Neubau eines Gesundheitszentrums nahe des Alten Hauptkrankenhauses wurden dabei in über 3 m Tiefe unter der heutigen Oberfläche die Spuren einer antiken Flutkatastrophe freigelegt. Etwa 200 m östlich der Hochterrassenkante lagen eingebettet im Lechkies verstürzte Mauerstücke und Kalksteinblöcke von römischen Grabbauten, die offensichtlich unterspült, umgestürzt und von einer Kiesbank verschüttet worden waren. Sie stammen von einer bisher völlig unbekannten römischen Nekropole östlich der Stadt. Zwischen den Steinquadern hatten sich angeschwemmte Wurzelstöcke von Erlen und Weiden verkeilt, die das Lechhochwasser mitgerissen hatte.

Ein Steinblock trägt eine lateinische Grabin­schrift für zwei kleine Kinder, die achtjährige Burilla und den eineinhalbjährigen Burinianus. Ihr Vater Burius ließ das Grabdenkmal im 3. Jahrhundert n. Chr. aufstellen. Er war aus Thrakien (das heute Südbulgarien, Nordostgriechenland und den eu­ropäischen Teil der Türkei umfasst) nach Aelia Augusta gekommen. Der Neufund ist damit ein weiterer eindrucksvoller Beleg sowohl für die hohe Mobilität im Römischen Reich als auch für die kulturelle Vielfalt im antiken Augsburg.

Teile des römischen Kindergrabmals kurz nach der Bergung: Inschriftenblock (vorne) und Bekrönung mit Pinienzapfen (hinten)