Alles ist Kunst – Künstlerporträts von Daniel Biskup
11.07. – 11.10.2026 im Schaezlerpalais
Menschen, Politik und das Schöne – das ist es, was Daniel Biskup interessiert. Der in Augsburg und Berlin lebende Fotograf ist bekannt für seine dokumentarischen Aufnahmen zur Zeitgeschichte. Im Schaezlerpalais präsentiert er nun erstmals eine neue Facette seines Schaffens: Künstlerporträts.
Die ersten der ausgestellten Bilder entstanden bereits 1989 im Augsburger Glaspalast. Damals ein „Lost Place“ der Textilindustrie, heute die Kunsthalle Augsburg. Künstler aus der Augsburger Szene wie Peter Lochmüller, Lisa Junghans und Martin Eder ließen sich schon damals ablichten. Im Lauf der Jahre kamen unter anderem Ai Weiwei, Gilbert & George, Georg Baselitz und viele andere dazu.
Als Kind schon besucht er mit seiner Großmutter Modenschauen, sammelt alle Ausgaben der deutschen Vogue und begeistert sich seit jeher für Fotografien. Geboren 1962 in Bonn, verschlägt es ihn nach einer Lehre zum Postboten zum Abitur und Studium nach Augsburg. Er fotografiert bei jeder Gelegenheit. 1982 erscheint sein erstes Bild auf der Titelseite der Augsburger Allgemeinen Zeitung. Die Umbrüche der Perestrojka locken ihn 1988 in die Sowjetunion, 1989 dokumentiert er den Mauerfall. Sein Portfolio in der Folge ist weitgefächert.
In den letzten Jahren porträtiert Daniel Biskup weltweit Prominente aus Politik, Kultur und Wirtschaft. Seine Werke befinden sich auch in privaten und öffentlichen Sammlungen. Im Augsburger Schaezlerpalais waren seine Bilder bereits 2017 in der Ausstellung „Russland – Perestroika bis Putin“ und 2019 in „Wendejahre“ zu sehen.
Im Gespräch mit Daniel Biskup
„Ich bin schon immer an Menschen interessiert.“
Daniel Biskup im Gespräch mit Monika Harrer
Ist es kompliziert mit Künstlerinnen und Künstlern vor der Kamera?
Daniel Biskup: Ich habe das Glück, dass es mir die meisten nicht kompliziert machen. Ich stelle mich generell auf die Leute ein, die ich fotografiere. Dann schaue ich: Wie ist die Stimmung, was kann ich den Leuten jetzt „zumuten“? Wenn man sich einfühlt, kann man die Menschen durchaus zu Dingen bewegen, die sie sonst vielleicht nicht tun würden. Beispielsweise ein Georg Baselitz, der im Porträt die Augen schließt. Ich hatte das Gemälde von ihm während einer Ausstellung im Frankfurter Städel gesehen und fand das zusammen sehr schlüssig.
Manchmal entstehen die Porträts aber auch nicht im Atelier, sondern in ganz anderen Settings.
D.B.: Man darf nicht vergessen: Die Kunstwerke in den Porträts lenken den Betrachtenden auch von den Gesichtern ab. Mit Gilbert & George bin ich einfach auf die Glienicker Brücke zwischen Potsdam und Berlin, die beiden – übrigens ganz unkompliziert und höflich – fanden das spannend. Mit Anselm Kiefer bin ich in New York durch die Stadt gelaufen, unterwegs entstanden die Bilder. Ganz besonders finde ich auch die Lichtstimmung in Tel Aviv am Strand im Porträt von Norbert Bisky. Ai Weiwei dagegen habe ich 2015 in einem Flüchtlingslager in Idomeni getroffen, wo er damals an einem Kunstprojekt arbeitete. So entstand das Porträt mit den Zelten im Hintergrund. Das fand ich sehr interessant, weil es auch ein Stück Zeitgeschichte ist. Damals bin ich durch ganz Europa gereist, um die Flüchtlingsbewegung zu dokumentieren.
Von Mauerfall bis Corona-Epidemie: Für dokumentarischen Fotos zur Zeitgeschichte, bist du international bekannt. Warum jetzt Künstlerporträts?
D.B.: Für mich ist da kein Unterschied. Ich bin schon immer an Menschen interessiert. In dem Fall ist es der Mensch, der Kunst produziert. Das ist für mich die große Klammer. Seit mehr als 35 Jahren mache ich Künstlerporträts. Für mich wird auch in diesen Begegnungen Zeitgeschichte sichtbar. Darüber hinaus: Kunst hat mich schon immer interessiert! Sogar Kunstgeschichte habe ich einmal ein Semester studiert. Meine Porträts sind sozusagen die Fortsetzung am lebenden Objekt. (lacht)
Du sammelst selbst auch Kunst. Wie kam es dazu?
D.B.: Das begann 1989 in Ostdeutschland in einer Galerie, die Künstlerinnen und Künstler ausstellte, die vorher im Sozialismus nicht zu sehen waren. Da kaufte ich mir ein Werk von Hans Ticha. Bei meinen Reisen habe ich oft den Kontakt zu Künstlern und Künstlerinnen sowie Galerien gesucht. Fündig geworden bin ich in St. Petersburg, Mostar, Peking, Moskau oder Neu-Delhi und vielen anderen Städten der Welt. Später haben mir Künstler, die ich fotografiert habe, auch manchmal Werke von sich geschenkt. Zum Beispiel schickte mir Günther Uecker nach seinem Porträt-Shooting eine Grafik. Markus Lüpertz hat sich bei Freunden für die künstlerisch gestalten Glückwünsche anlässlich seines 80. Geburtstag mit einer Selbstporträt-Grafik bedankt. Auch mit weiteren Künstlern bin ich befreundet. Über die Zeit hat sich so eine größere Sammlung aufgebaut: Eine bunte Mischung!

