Der Künstler

Der Augsburger Bildhauer Fritz Koelle studierte an der Münchener Akademie und war Mitglied der Münchener Secession.

1925 heiratete er die Malerin Elisabeth Karmann (1890-1974) aus St. Ingbert. Im Saargebiet lernte er die landschaftsprägende Kohle- bzw. Eisen- und Stahlindustrie kennen, die er zu einem künstlerischen Schwerpunktthema entwickelte. In dieser Zeit entstanden Plastiken von Berg- und Hüttenleuten im Spannungsfeld zwischen beschreibender sozialer Wirklichkeit und heroischer Stilisierung, die sich auf so bedeutende Vorbilder wie etwa den belgischen Bildhauer Constantin Meunier (1831-1905) beziehen lassen.

Viele öffentliche Institutionen erwarben Arbeiten von ihm, darunter auch die Städtische Galerie im Lenbachhaus München, die einen Bronzeguss des "Hockenden Bergarbeiters" von 1929/30 in seine Sammlung aufnahm. Die an den berühmten antiken Dornauszieher erinnernde Plastik zählt heute zweifelsfrei zu den populärsten Schöpfungen Koelles.

Sein Verismus, die „Wiedergabe des Bodens der Wirklichkeit“, wie Koel-le selbst sagte, führte dazu, dass der 1933 in München-Neuramersdorf aufgestellte "Blockwalzer" von den Nazis als „bol­schewistische Kunst“ diffamiert und seine Umsetzung verfügt wurde. Die Plastik stellte einen verhärmten Arbeiter dar, der 35 Jahre bei der Röchlingschen Hütte im saarländischen Völklingen geschuftet hatte.

Selbstbildnis mit Mütze, 1932, Bronze, Inv. Nr. 11587
r© Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Foto: Andreas Brücklmair

Die Zeit des Nationalsozialismus

Nach dem Eklat um den "Blockwalzer" in München-Neuramersdorf konzentrierte sich Koelle stärker auf das heroisierende Element seiner Arbeiterdarstellungen. Seine Figurengruppe "Befreiungskämpfer" von 1934 – ein heute verschollener kriegsverherrlichender Gipsentwurf, der marschierende Soldaten für ein weiteres Denkmal in München Ramersdorf vorsieht – darf heute als ein Paradebeispiel national­sozialistischer Kunstpropaganda gelten.

Anlässlich der Saarabstimmung im Jahre 1935 – zu der Koelle eine Gedenkplakette schuf – machte die Firma Zschimmer und Schwarz die lebensgroße Figur des "Betenden Saarbergmanns" Adolf Hitler zum Geschenk, der sie in der Berliner Reichskanzlei aufstellen ließ. 1937 erhielt Fritz Koelle den Westmarkpreis, im selben Jahr fertigte er den monumentalen Reichsadler mit Hakenkreuzinsignie für das Portal der Großbriefabfertigung am Anhalter Bahnhof in Berlin. Im Jahre 1936 entstand ein heute verschollenes Bildnis von Adolf Hitler.

Spätestens seit 1937 war er jährlich auf der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Kunst in München vertreten, 1940 mit insgesamt acht Figuren, darunter auch ein Bildnis von Horst Wessel, dem Sturmführer der SA und „Märtyrer” der NSDAP. Einer der Güsse dieses Bildnisses wurde in die Sammlung des Linzer Führermuseums aufgenommen.

Betender Saarbergmann, 1934, Bronze, Inv. Nr. 11570 © Foto Ruth Plössel

Die Nachkriegsjahre

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vollzog Koelle mit seinem Eintritt in die KPD im Jahre 1945 einen erneuten Gesinnungswandel, der sich wiederum in seinem Kunstschaffen widerspiegelt. 1946 legte er einen Entwurf für das KZ-Denkmal in Dachau vor, der in der Presse jedoch wenig Anklang fand. Mit seiner Plastik "Concordia" von 1947 schuf er schließlich ein Paradebeispiel für die Plastik des Sozialistischen Realismus. Hierdurch stellt er seine Kunst erneut in den Staatsdienst, denn die Plastik soll die Vereinigung von KPD und SPD zur SED glorifizieren.

Sein 1952 entstandenes Bildnis von Karl Marx rundet dieses hochpolitische Segment seines Kunstschaffens ab. Offizielle Anerkennung erhielt er durch seine Berufungen zum Professor an der Staatlichen Kunsthochschule für Werkkunst in Dresden und der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee.

Bildnis Karl Marx, 1952, Bronze, Inv. Nr. 11655
© Kunstsammlungen und Museen Augsburg, Foto: Andreas Brücklmair

Fazit

Der Bildhauer Fritz Koelle schuf Werke während dreier politischer Systeme: der Weimarer Republik, der Diktatur des Nationalsozialismus und des sozialistischen Unrechtsstaats der sowjetischen Besatzungszone und späteren Deutschen Demokratischen Republik. Seine Werke fanden jeweils die Akzeptanz des politischen Systems.

Zentrales Thema war für Koelle stets der Mensch, hier vor allem die Darstellung des Arbeiters und des Porträts. Die Forschung attestierte ihm zuletzt eine „labile Persönlichkeitsstruktur“, die ihn als „gezielt taktierenden Opportunisten“ enttarne, „der sich bereitwillig und bedenkenlos den jeweiligen (politischen) Situationen und Lagern anpasste“ (Eva Pasche 2008). Unabhängig von dieser nicht näher zu bestimmenden inneren Haltung war Koelle stets ein Bildhauer von großem handwerklichem Geschick und Proportionsempfinden, der ihm den Erfolg in drei politischen Systemen ermöglichte.

Das stete Anpacken politischer Themen wirft aus heutiger Sicht einen Schatten auf das künstlerische Tun des Augsburger Bildhauers. Insofern ist auch eine kritische Distanz zu den teils lebensgroßen Bronzefiguren des Bildhauers im öffentlichen Raum – wie sie von Augsburg bis St. Ingbert und Landsweiler-Reden bis heute aufgestellt sind – durchaus angebracht.

Lebenslauf

1895
Geboren am 10. März in Augsburg in der Oblatterwallstraße 24. Sein Vater Adolf Friedrich Koelle (1845-1921) war der Inhaber einer Eisenkonstruk­­tionswerkstätte für Gewächshausbau und Warmwasser-Heizungsanlagen, die er 1879 gegründet hatte. Seine Mutter Walburga Koelle (1858-1921) war die Tochter des Hof- und Stadtgärtners Graf. Fritz hatte drei Schwestern und einen älteren Bruder.

1906-1909
Besuch der Oberrealschule in der Hallstraße in unmittelbarer Nähe zum Schaezlerpalais. 1912 Lehre als Spengler in der Städtischen Handwerksschule in Augsburg. Im Sommersemester Besuch der Königlichen Fachschule für Edel­metall- Industrie in Schwäbisch-Gmünd. Er erlernt dort das Graveur- und Ziseleurhandwerk. 1913 Weiterbildung bei dem Silberschmied J. B. Haag in München sowie Beginn des Studiums an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München. 1914 Koelle meldet sich als Kriegsfreiwilliger. Er wird als Kanonier an der Westfront eingesetzt, wo er an maßgeblichen Schlachten in Frankreich und Belgien beteiligt ist. 1916 Die erste Kleinplastik – ein Löwe, der auf drei Kugeln steht – wird bei der Münchner Secession im Glaspalast ausgestellt, wo ihn der bayerische König Ludwig III. für seine Sammlung erwarb. 1917-1923 Studium an der Kunstakademie München, Meisterschüler des Neuklassizisten Prof. Hermann Hahn (1868-1945), der von Adolf von Hildebrandt beeinflusst war. 1920 Dänemark-Reise. Ab 1921 Mitglied der Münchner Secession. 1922 Erste Einzelausstellung im Münchner Kunstverein. 1924 Italienreise. 1925 Heirat mit Elisabeth Karmann (1890-1974), genannt „Lisl“, spätere Meisterschülerin des Bildhauers Karl Caspar (1879-1956), die er an der Münchner Aka­-demie kennenlernte. Karmann war Tochter eines Bergmanns aus St. Ingbert im Saargebiet. In diesem Jahr gewann er einen Wettbewerb mit dem Frauenakt Spiel der Wellen, einer Muschelkalkfigur, die am 6. Mai an der Brücke vor dem Deutschen Museum aufgestellt wurde (seit 2000 auf der Reichenbachbrücke aufgestellt). Die Figur paraphrasiert Maillols Méditerranée. Reisen nach Italien und Paris, Koelles erste Berg­- arbeiterskulptur entsteht – Hanna, das Bergarbeiterkind – die noch im selben Jahr bei der Münchner Neuen Secession ausgestellt wird. 1927 Kollektivausstellung in der Preußischen Akademie der Künste zusammen mit Arbeiten von Käthe Kollwitz. 1928 Die Röchling-Werke in Völklingen stellen Koelle ein Atelier zur Verfügung. 1933 Geburt seines Sohnes Fritz; Erholungsaufenthalt in Mösern bei Seefeld in Tirol.

Lavabogarnitur

Silber, getrieben, gegossen, ziseliert, punziert, graviert;
Kanne H. 26 cm; Becken L. 43,5 cm
Christian II Drentwett, Augsburg, 1755–1757
Inv. Nr. 2018/93 a, b

Hygiene ist aus unserem Leben nicht wegzudenken und gerade in der aktuellen Lage von existenzieller Bedeutung. Bis ins 19. Jahrhundert hinein war man sich der Notwendigkeit von Körperhygiene im Alltag nicht so sehr bewusst. Ein typisches Beispiel ist das Händewaschen. Diese Garnitur aus Kanne und Becken war dafür bestimmt, doch keinesfalls für den täglichen Gebrauch. Sie kam bei Hofe zum Einsatz, nämlich bei festlichen Banketten. Vornehmen Gästen erwies man eine besondere Ehre, indem man ihre Hände mit parfümiertem Wasser, das in der Kanne bereitgehalten wurde, benetzte. Damit das Wasser nicht auf den Boden fiel, fing man es mit dem Becken auf. Nach dieser ehrenvollen Handlung schritt man dann zur Tafel und speiste.

GRAFISCHES KABINETT
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D–86150 Augsburg
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ÖFFNUNGSZEITEN
Di-So 10-17 Uhr

Impressum:
Stadt Augsburg
Kunstsammlungen und Museen Augsburg
Direktor: Dr. Christof Trepesch
Strategische Kommunikation: Monika Harrer-Jalsovec M.A.
Grafische Sammlung: Dr. Christoph Nicht

Kuratorin der Ausstellung: Sarah Klein

Bildnachweis: © Kunstsammlungen und Museen Augsburg