Sophonias de Derichs, Johann Heinrich von Schüle, um 1772

Johann Heinrich von Schüle

11.02.2021 bis Anfang Mai 2021 im Grafischen Kabinett

Am 13. Dezember jährt sich zum 300. Mal der Geburtstag des bedeutendsten Kattunfabrikanten des späten 18. Jahrhunderts. Er macht den bedruckten Baum­wollstoff von Augsburg aus zum größten textilen Massenartikel der damaligen Welt. Diesen Weg zeichnet die Ausstellung mit ausgewählten Kupferstichen und Dokumenten aus dem Bestand der Grafischen Sammlung nach.

In Künzelsau in einer Nagelschmied-Familie geboren, ist er begabt, fleißig und unermüdlich und zeigt schon früh großes In­teresse an Textilien. Nach einer Lehre als „Schnittwaren­händ­ler“ kommt er 1745 nach Augsburg, wo er nach Heirat als Groß­händler, Kattun­drucker und Produzent zu einem der führenden süddeutschen Unternehmer aufsteigt. In seiner Veredelungs-Manufaktur verarbeitet er neben Augsburger Stoffen unerlaubt auch große Mengen holländischer und ostindischer Kattune. Im Streit mit Weber-Zunft und Stadt bestraft, verlässt er 1766 Augsburg für zwei Jahre.

Unterstützt durch den Kaiser wird er rehabilitiert, erhält sein Vermögen zurück und darf weiter fremde Stoffe veredeln. In seiner besten Zeit beschäftigt er in der Stadt 3500 Menschen, fast 10 Prozent der Bevölkerung. Aufgrund wirtschaftlicher Probleme ging die an seine Söhne übergebene Firma in den Napoleonischen Kriegen in Konkurs.