Kunst im Garten

Mit dem temporären Ausstellungprojekt „Kunst im Garten“ starten die Kunstsammlungen und Museen Augsburg mit einer neuen Ausstellungsreihe: Plastische, skulpturale oder installative Kunstwerke unterschiedlicher nationaler und internationaler Kunstschaffender werden im Garten des Schaezlerpalais präsentiert.

Ziel ist es, die präsentierten Kunstwerke untereinander in Dialog zu bringen, sie aber auch mit der geometrisch gestalteten Natur des Rokokogartens in Beziehung zu setzen. 

Zu entdecken sind Werke von

  • David Nash (*1945)
  • Michael Croissant (1928-2002)
  • Norbert Schessl (*1965)
  • Heike Mayr (*1962) & Jiri Mayr (*1956)

Der Rokoko-Garten im Schaezlerpalais

Der heutige Schaezlergarten wurde 2004/05 nach historischen Plänen als symmetrische Vierfeldanlage rekonstruiert, in dessen Zentrum sich ein Brunnenbassin mit Springbrunnen befindet. Die vier Felder sind mit bekiesten Schlängelwegen, kugelförmigen Kornelkirschenbäumen und Buchsheckeneinfassungen gestaltet. Die hohen Umfassungsmauern, die den Garten zu einem „hortus conclusus“ machen, sind mit Spalierobst bepflanzt. Im ehemaligen Hühnerhaus sind heute Bienen untergebracht, die den Schaezlerhonig produzieren. 
In diesem gut 1150 qm großen innerstädtische Erholungsort sind die Besucherinnen und Besucher eingeladen, plastische Kunstwerke zu betrachten und ihre Einbindung in die umgebende Natur zu erkunden.  

David Nash

David Nash, "Cube, Sphere, Pyramid", 1990 © Foto: M. Harrer-Jalsovec
David Nash, "Cube, Sphere, Pyramid", 1990 © Foto: M. Harrer-Jalsovec
David Nash, "Cube, Sphere, Pyramid", 1990 © Foto: M. Harrer-Jalsovec

David Nash zählt zu den bedeutendsten Bildhauern und Land Art-Künstlern Großbritanniens. Seit 1967 lebt er in einem Landschaftsgarten in Nord Wales, der ihm Inspiration und naturnaher Schaffensort geworden ist. Im Jahre 1977 pflanzte er dort 22 Eschen, die er so beschnitt, dass sie mit ihren Ästen eine natürliche Kuppel ausbildeten, den Ash Dome. Naturmaterialien stehen stets im Zentrum seines künstlerischen Schaffens, insbesondere das Material Holz, das er in seinen unterschiedlichen Facetten untersucht, formt und verformt. Die im Schaezlergarten gezeigte Arbeit „Cube, Sphere, Pyramid“ besteht aus drei geometrischen Grundformen, die ursprünglich aus Baumstämmen zurechtgehauen, und dann in Bronze abgeformt wurden. Die archaisch wirkenden Elemente weisen grobe Bearbeitungsspuren auf, so dass der Holzcharakter nach wie vor sichtbar bleibt. Durch die dunkle Patina scheinen die Hölzer wie verkohlt, so als ob deren Oberfläche durch Feuer bearbeitet worden wäre. Die drei Plastiken sind daher ein herausragendes Beispiel für Materialmimesis, das sich in das saftige Grün der Wiese als Kontrapunkt einfügt.  
David Nash ist in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten, darunter die Tate London, das Guggenheim Museum und das Metropolitan Museum of Art in New York.

Michael Croissant

Michael Croissant, Kopf und Schulter
Undatiert, geschweißte Stahlplatten, verrostet
© Foto: M. Harrer-Jalsovec
Michael Croissant, Kopf und Schulter
Undatiert, geschweißte Stahlplatten, verrostet
© Foto: M. Harrer-Jalsovec
Michael Croissant, Kopf und Schulter
Undatiert, geschweißte Stahlplatten, verrostet
© Foto: M. Harrer-Jalsovec

Der im rheinlandpfälzischen Landau geborene Bildhauer Michael Croissant ist einer der wichtigsten Vertreter der abstrakten Bildhauerei der Nachkriegszeit. Nach einer Steinmetzlehre studierte er bei Toni Stadler, war in München tätig. Dann lehrte er 22 Jahre als Professor an der Städelschule in Frankfurt und prägte eine ganze Generation von Bildhauern. 
Seinen geometrisch-abstrakten Plastiken liegt stets der Mensch zugrunde. Jede Grundform und jede proportionale Beziehung seiner geometrisch gebogenen Stahlplatten leitet er vom menschlichen Körper ab, so auch bei der vorliegenden Arbeit: Die beiden Keile bilden zusammen eine Konstellation aus Schulter und Kopf. Hierbei ist der liegende sichelförmige Keil aus der Grundform einer Schulter abgeleitet, während die stehende, sphärische Form an einen Kopf erinnert. Beide abstrahierten Elemente fügen sich harmonisch in die umgebende Natur ein, die Schulter scheint gar aus der Grasnarbe herauszuwachsen. Rostiges Material und umgebende Natur formen eine organische Einheit.

Norbert Schessl

Norbert Schessl, Gesandte, Rokoko-calling, Jura-Marmor, 2020-21, Mehrteilige Arbeit, zerlegbar und veränderbar © Foto: M. Harrer-Jalsovec
Norbert Schessl, Gesandte, Rokoko-calling, Jura-Marmor, 2020-21, Mehrteilige Arbeit, zerlegbar und veränderbar © Foto: M. Harrer-Jalsovec
Norbert Schessl, Gesandte, Rokoko-calling, Jura-Marmor, 2020-21, Mehrteilige Arbeit, zerlegbar und veränderbar © Foto: M. Harrer-Jalsovec

Der Steinbildhauer und Pädagoge Norbert Schessl beschreitet mit seinen Stelen den für ihn charakteristischen Weg der Beweglichkeit und Offenheit: Einerseits wirken seine Steinskulpturen wie Fundstücke, wie unfertige Bruchsteine mit Bearbeitungsspuren. Sie lassen an Spolien denken, an steinerne Elemente untergegangener Kulturen, die der Bildhauer neu arrangiert zu haben scheint. Die beiden aufrechtstehenden stelenartigen Steine erinnern an Sakrales, sie wirken wie Weihwassersteine aus einer Dorfkirche. Gerade hierin liegt Norbert Schessls besonderer Ansatz: Die Assoziierbarkeit - seine Arbeiten eröffnen stets ein breites Spektrum von Assoziationsmöglichkeiten - welche die räumlichen und zeitlichen Grenzen überwindet. Sind die Steine echte Spolien? Was hat der Bildhauer hinzugefügt, was ist Fundmaterial? Insofern sind seine Steingebilde skulpturale Werke der Offenheit, die aus einem handwerklichen wie auch geistigen Prozess heraus entstanden sind, die zugleich auch Veränderungsprozessen gegenüber offen sind. Der Bildhauer sieht sie keineswegs nur als statische Steingebilde, sondern er arrangiert die Steine immer wieder neu, sucht neue Perspektiven und Bezüge zum Gartenraum. Es sind „Gesandte“ der Kunst im Kunstgarten der Rokoko-Zeit.

Heike & Jiri Mayr

Jiri Mayr, untitled © Foto: M. Harrer-Jalsovec
Heike Mayr, untitled © Foto: S. Friedla
Heike Mayr, untitled © Foto: S. Friedla

Heike und Jiri Mayr arbeiten mit Steinblöcken, die sie in verschiedenen Konstellationen zusammenfügen, schichten, stapeln und auftürmen. Sie spüren der Geometrie des Materials Stein nach, erkunden dessen innere Struktur, die sich in den Kanten und Linien der Blöcke fassen lässt. Die Geometrie beider Arbeiten korrespondiert mit den geometrischen Strukturen der Architektur des Schaezlerpalais und den Umfassungsmauern des Gartens. Jiri Mayrs Stapelarbeit unter den rundbogigen Arkaden hingegen setzt diesen einen kantig-geometrischen Akzent entgegen. Zudem bringt die Stapelung der Steine einen Fragilitätsaspekt mit ein, der der gebauten Architektur entgegensteht. Heike Mayrs Stapelung hingegen steht vor der mit Hainbuchenhecken als Naturarkade bepflanzten Umfassungsmauer des Schaezlergartens. Die kantig-harte Struktur des Steins korrespondiert hier mit der geschnittenen Hainbuchenhecke im Hintergrund sowie den Buchshecken der Feldeinfassungen. Der in geometrischen Formen geschnittenen Natur wird so ein steinernes Element gegenübergestellt. Seine fast schon anthropomorphe Konstellation lässt zugleich das menschliche Maß präsent werden. 
Heike und Jiri Mayr sind mit zahlreichen Arbeiten im öffentlichen Raum in Süddeutschland vertreten. Heike Mayr ist in Düsseldorf geboren und studierte dort bei Beate Schiff und Eugen Gomringer, dessen Meisterschülerin sie wurde. Jiri Mayr ist in Prag geboren, studierte ebenfalls in Düsseldorf und war Meisterschüler bei Klaus Rinke.

SCHAEZLERPALAIS
Maximilianstraße 46
D–86150 Augsburg
T +49 821 324 41 02

Impressum:
Stadt Augsburg
Kunstsammlungen & Museen Augsburg
Direktor: Dr. Christof Trepesch
Strategische Kommunikation: Monika Harrer-Jalsovec M.A.
Redaktion: Klara Reidel M.A.
Umsetzung: Susanna Friedla M.A.
Website: Waldmann & Weinold, Kommunikationsdesign

Bildnachweis: © Kunstsammlungen & Museen Augsburg und wie angegeben