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Sophia Barth-Coorssen vor dem Porträt Karl Haberstocks in der Galerie des Schaezlerpalais © Martin Augsburger / KMA

Haberstock Online-Archiv unterstützt internationale Provenienzforschung

Haberstock Online-Archiv unterstützt internationale Provenienzforschung In der neu entwickelten Datenbank der Kunstsammlungen ist bereits ein Teil der Geschäftsunterlagen des Kunsthändlers kostenfrei einsehbar

Ein Großteil der Geschäftsunterlagen der Galerie Haberstock, die im Schaezlerpalais aufbewahrt werden, ist bereits über die von den Kunstsammlungen entwickelte Datenbank zugänglich, im Haberstock-Online-Archiv. Dazu zählen auch rund 1.150 der insgesamt 1.981 analogen Fotokarteikarten. Ein Prozess, der kontinuierlich fortgeführt wird und langfristig auch die etwa 600 annotierten, historischen Auktionskataloge aus Haberstocks Besitz umfassen soll. Der Bestand ist so für die Öffentlichkeit und internationale Forschung kostenfrei nutzbar. Verantwortlich dafür ist die Provenienzforscherin Dr. Sophia Barth-Coorssen. Für die Kunstsammlungen & Museen beschäftigt sie sich mit der Herkunft von Kunstwerken und Kulturgütern sowie der Frage, unter welchen Umständen sie erworben wurden. Dabei geht es nicht nur um die Rekonstruktion der Besitzgeschichte der Objekte, sondern auch um moralische Verantwortung.

Provenienzforschung läuft bereits seit 2001
Seit dem Beschluss der Washingtoner Prinzipien im Jahr 1998 hat sich die Provenienzforschung besonders zur Aufklärung unrechtmäßiger Enteignungen in der NS-Zeit verpflichtet. Als kritisches Erbe steht bei den Kunstsammlungen vor allem die Stiftung Haberstock im Fokus der Aufarbeitung. Bereits im Jahr 2001 begann der Historiker Horst Keßler im Auftrag der Kunstsammlungen mit der Untersuchung der Herkunft der Objekte – eine Aufgabe, die seit 2025 von der Kunsthistorikerin Sophia Barth-Coorssen weitergeführt wird. Das Projekt wird auch durch das Stiftungsamt der Stadt Augsburg unterstützt.

Die Sammlung Haberstock
Die im zweiten Stock des Schaezlerpalais dauerhaft ausgestellten Gemälde, beispielsweise von Canaletto oder Veronese, stammen ebenfalls aus der Sammlung von Karl Haberstock (1878–1956), einem der bekanntesten deutschen Kunsthändler des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Tod überließ seine Ehefrau Magdalene Haberstock die Privatsammlung im Jahr 1957 der Stadt Augsburg. Sie umfasst neben 39 Gemälden auch Möbel, Porzellan, Varia sowie eine umfangreiche Bibliothek mit mehr als 2.600 Büchern. Aufgrund von Haberstocks maßgeblicher Rolle im NS-Kunsthandel wirft die Stiftung jedoch auch kritische Fragen auf. 

Restitution von 18 Objekten bereits 2022
Im Jahr 2022 konnten 18 Kunsthandwerksobjekten, die sich bis dahin in der Haberstock-Sammlung befanden, restituiert werden. Im Rahmen einer umfassenden Provenienz Recherche, die neben den Unterlagen der Stiftung auch Quellen aus nationalen und internationalen Archiven einbezog, konnte das Konvolut eindeutig dem ehemaligen Eigentum des deutsch-niederländischen Bankier und Kunstsammler Fritz Gutmann zugeordnet werden. Gutmann wurde aufgrund seiner jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt und war 1942 im Zuge der geplanten, letztlich aber erfolglosen Emigration gezwungen, seine Sammlung an die Kunsthändler Karl Haberstock und Julius Böhler zu veräußern. 1944 kam Gutmann im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben. Damit war die Herkunft des Konvoluts zweifelsfrei geklärt und die Restitution an die Erben möglich.

Willkommen im Haberstock Online-Archiv

Analoge Quellen wie beispielsweise Fotos und Geschäftsbücher aus der Haberstock-Stiftung
werden nach und nach digitalisiert und online
für die globale Forschung bereitgestellt. © Martin Augsburger / KMA
Analoge Quellen wie beispielsweise Fotos und Geschäftsbücher aus der Haberstock-Stiftung
werden nach und nach digitalisiert und online
für die globale Forschung bereitgestellt. © Martin Augsburger / KMA