„Gemälde-Glätten“ im Goldenen Saal
„Gemälde-Glätten“ im Goldenen Saal Restaurierung von drei über 400 Jahre alten Gemälden passiert vor Ort im Augsburger Rathaus
Über einen besonderen Arbeitsplatz freuen sich derzeit Kerstin Knaupp und Axel Wieland: Seit Beginn dieses Jahres arbeiten sie mitten im prächtigen Goldenen Saal des derzeit wegen Renovierung geschlossenen Augsburger Rathauses. Die beiden Restauratoren der Kunstsammlungen & Museen geben drei großformatigen Ölgemälden aus dem südwestlichen Fürstenzimmer neuen Glanz. Datiert auf 1624, stellen sie die drei wichtigsten Regierungsformen dar: Demokratie, Aristokratie und Monarchie. Sie alle stammen von Johann König (1586 – 1642), einem damals renommierten Künstler, der nach Aufenthalten in Venedig und Rom seit 1614 in der Reichsstadt Augsburg als Meister arbeitete.
Aufwändige Glättung der Malschicht
Im vergangenen Jahr waren die drei hochkarätigen Gemälde in der Archäologischen in Trier zu sehen. Mit viel Aufwand waren sie für den Kunsttransport von der Wand genommen worden. Nach ihrer Rückkehr nutzt man die Chance für konservierende Arbeiten. Gelockerte Bereiche der obersten Malschicht werden mit einem organischen Leim aus der Fischblase des Störs gefestigt, anschließend werden die aufstehenden Partien mithilfe eines beheizbaren Spachtels vorsichtig Zentimeter für Zentimeter geglättet, um weitere Schäden zu verhindern und die Oberfläche vor Schmutz zu versiegeln. Voraussichtlich Ende April werden die Arbeiten abgeschlossen sein, danach werden die Gemälde wieder in einigen Metern Höhe im Fürstenzimmer aufgehängt. Ab dem Sommer, nach Wiederöffnung des Rathauses, können sich Besuchende wieder an ihrer künstlerischen Qualität erfreuen.
Kurz vor dem Bombenhagel 1944 gerettet
Übrigens: Die 400 Jahre alten Gemälde haben schon so einiges erlebt. Im Zweiten Weltkrieg konnten sie wohl gerade noch rechtzeitig vor dem Bombenhagel 1944, der das Rathaus bis auf die Grundmauern zerstörte, gerettet werden. Untersuchungen der Restauratoren ergaben, dass sie wohl hastig aus ihren alten Rahmen geschnitten und für den Transport in ein sicheres Versteck zusammengerollt worden waren. Befestigt auf einer neuen Leinwand kehrten sie dann nach dem Wiederaufbau des Rathauses an ihren angestammten Platz im Fürstenzimmer zurück.
