Eulenpokal

Polychrom glasierte Irdenware, Höhe: 22 cm, gefunden Bei St. Barbara 2
Mitte bis zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts

Eulenpokale gehören zu den faszinierendsten keramischen Gefäßen der Renaissance in Mitteleuropa. In Museen und Sammlungen haben sich nicht einmal 20 Exemplare prachtvoller Eulengefäße, meist in Fayencetechnik hergestellt, erhalten; als archäologischer Fund sind Eulengefäße eine große Seltenheit. Der neue Augsburger Eulenpokal, der in viele kleine Scherben zerbrochen war, wurde bereits im Jahr 2003 gefunden. Als man schließlich im vergangenen Jahr für die Umzugsvorbereitungen der Stadtarchäologie viele Funde – darunter die Eule – wieder genau unter die Lupe nahm, war der Entschluss, diese für eine Ausstellung zu restaurieren und die fehlenden Teile zu ergänzen, schnell gefasst.

Wie alle Eulenpokale besteht auch das Augsburger Exemplar aus zwei auf der Scheibe gedrehten Teilen, dem Unterteil bzw. Korpus und dem darauf sitzenden Kopf, den man abnehmen kann. Der erste Blick richtet sich meist auf die von großen Schleiern umrahmten Augen, zwischen denen ein kräftiger Schnabel hervorragt. Auf der Vorderseite des Korpus sitzt der Doppeladler, das kaiserliche Wappen, mit zwei steigenden Löwen als Schildhalter. Fast ansatzlos kommen die dünnen Beine aus dem unteren Teil des Korpus heraus; die drei vorderen Zehen der Fänge krallen sich am Rand der Standplatte fest. Der Eulenpokal, der wohl als Trinkgefäß für besondere Anlässe verwendet wurde, war 2016 in der Ausstellung „Wunderkammer Bodenschätze – Funde der Augsburger Stadtarchäologie“ im Maximilianmuseum zu sehen.

Das xx Grabmal

xxxx

Text bitte liefern xxx

Stadtmodell
von Augsburg

Hans Rogel, Augsburg, 1560-1563
Fichten-, Linden- und Buchenholz, farbig gefasst, Glas, L. 97 cm, B. 69,5 cm, H. 10,3 cm, Inv.-Nr. 3818

Vier Jahrzehnte vor der Neugestaltung Augsburgs durch Elias Holl schuf Hans Rogel in mehrjähriger Vermessungs- und Schnitzarbeit dieses maßstabsgerechte Modell. Es dokumentiert detailgenau das Aussehen Augsburgs, als die Stadt Austragungsort bedeutender Reichstage war. Viele Gebäude existieren heute nicht mehr, z.B. das alte gotische Rathaus, das Tanz- und das Siegelhaus auf dem Weinmarkt, der heutigen Maximilianstraße. Auch der Alte Einlass, das legendäre Nachttor für Kaiser Maximilian I. ist verschwunden. Dort steht heute das Staatstheater.

Alter Einlass
St. Moritz, Maximilianmuseum

Mehrfaches Mühlenmodell

Säge-, Korn-, Papier, Walkmühle, Hammerwerk, Pumpwerk etc., Andreas Matthäus Seuffert, Augsburg, 1758
Holz, farbig gefasst, Eisen, L. 130,5; B. 94; H. 59 cm, o. Inv.-Nr.

Mit dem 1758 gebauten Demonstrationsmodell unterschiedlichster wasserbetriebener Mühlen hat Andreas Seuffert ein außergewöhnliches Schaustück geschaffen, das die Bedeutung von Wasserenergie eindrucksvoll vor Augen führt. Über ein zentrales, unterschlächtiges Wasserrad wird ein ganzer Maschinenpark aus Säge-, Schleif-, Mahl-, Hammer-, Öl- und Papiermühlen angetrieben. Das Wasserrad wird über eine Kurbel bewegt.

Das Modell zeigt den Einsatz wassergetriebener Maschinen, wie sie in der Mitte des 18. Jahrhunderts gebräuchlich waren. In der Realität wäre ein solches Mühlenwerk mit klein dimensioniertem Wasserrad und störanfälligen Transmissionen nicht funktionstüchtig. Der Augsburger Zimmermann Seuffert stellte sein kunstvolles Modell herumreisend zur Schau und verdiente damit seinen Lebensunterhalt.

Die Muttergottes
im Kreise der Engel

Hans Daucher, Augsburg, 1520
Kalkstein, rote und grüne Marmoreinlagen, H. 42 cm, B. 31 cm, Inv.-Nr. 5703

In einer Triumphbogenarchitektur sitzt die Muttergottes mit dem Christusknaben. Engel flankieren die Gruppe. Im Vordergrund spielen Putti. Maria schaut zum ältesten Engel links, der ihr Trauben präsentiert, das Symbol für Christi Opfertod. Im Bogen weisen Szenen aus dem Alten Testament auf die Passion Christi voraus. Der Granatapfel in Marias Hand ist ein Symbol der Auferstehung. Die verdichtete Darstellung des christlichen Heilsgeschehens verbindet sich mit großer künstlerischer Raffinesse des fein geschnittenen Reliefs.

Der Bildhauer Hans Daucher (1486-1538) gehörte zu den Hauptvertretern der Augsburger Renaissance. Das Bogenfeld zeigt das Wappen König Manuels I. von Portugal (1469-1521). Auftraggeber war der Handelsagent und Diplomat Rui Fernandes de Almada, der 1520 für die portugiesische Krone in Warengeschäften mit Augsburger Handelshäusern tätig war. Damals bestellte er für Manuel I. bei Daucher dieses kostbare Kunstkammerobjekt.

Armillarsphäre

Christoph Schissler, Augsburg, 1605
Holz und Kupfer, bemalt, Messing, vergoldet, H. 191 cm, Inv.-Nr. 3432

Die Ringkugel genannte Armillarsphäre dient zur Veranschaulichung astronomischer Konstellationen und Himmelsbewegungen. Sie zeigt das geozentrische Weltsystem mit der Erde als Mittelpunkt.

Das von der Figur des Hl. Michael bekrönte Werk ist Schisslers letzte Arbeit und trägt seine Signatur: CHRISTOPHORVS SCHISSLERVS CIVIS AVGVSTANVS GEOGRAPHICORVM ET ASTRONOMICORVM INSTRVMENTORVM FABRICATOR FACIEBAT ANNO CHRISTI 1605 AETATIS SVAE 75: Christoph Schissler, Bürger zu Augsburg, Hersteller geographischer und astronomischer Instrumente schuf dieses Werk im Jahr 1605 nach Christi Geburt im Alter von 75 Jahren.

1606 kaufte die Stadt Schisslers Ringkugel und überwies sie an die Stadtbibliothek.

Luna

Merkur

Venus

Widder

Springender Hirsch

Hieronymus Zainer, Augsburg, um 1590
Silber, getrieben, graviert, vergoldet, H. 44 cm, Inv.-Nr. 12342

Der feierliche Trunk war in Renaissance und Barock ein bedeutungsvolles Ritual. Wichtige Ereignisse waren ohne zeremonielles Trinken von Bier und Wein undenkbar. In der Stadt, in der Zunft und am Hofe wurde der Gast zu verschiedenen Anlässen mit einem als Willkomm bezeichneten Gefäß begrüßt und geehrt. Es bestand häufig aus kostbarem Material. Form und Inschriften machten die Willkomm-Gefäße unverwechselbar.

Der Willkomm eines fürstlichen Jagdhauses (die Jagd zählte zu den Privilegien des Adels) war oft in Form des jagdbaren Wildes gestaltet. Als besonders vornehm galt dabei die Hirschjagd. Die kraftvoll-elegante Tierfigur, deren Kopf nach Entfernen des Halsbandes abnehmbar war, konnte als Trinkgefäß wie auch als Tafeldekoration verwendet werden.

Automatenuhr
mit dem Umzug
des Bacchus

Hans Schlottheim, Augsburg, um 1590
Kupfer, gegossen, vergoldet, Kaltemailbemalung, H. 71 cm, Inv.-Nr. 5739

Hauptattraktion dieser Tischuhr ist das Automatenwerk mit dem Umzug des Weingott Bacchus. Ihn begleiten trommelnde Satyrn und Mänaden, die zu seinem Gefolge gehören. Am Uhrenfuß sitzen zwei Astronomen, die eine Armillarsphäre bzw. einen Globus und einen Zirkel halten. Das Zifferblatt hat verschiedene astronomische und kalendarische Indikationen.

Die Automatenuhr ist ein typisches Werk für eine fürstliche Kunstkammer. Höchstwahrscheinlich stammt sie aus dem Besitz der Kurfürsten von Sachsen. Erzeugnisse der Augsburger Uhrmacher waren von Renaissance bis Barock Glanzlichter jeder höfischen und auch bürgerlichen Sammlung. Man kaufte sie entweder bis 1582 auf den Augsburger Reichstagen oder bestellte sie in der Reichsstadt.

STADTARCHÄOLOGIE / ARCHÄOLOGISCHES ZENTRALDEPOT
Zur Kammgarnspinnerei 9
D-86153 Augsburg
T +49 (0) 821 324 41 42
besucherservice-kusa@augsburg.de

Impressum:
Stadt Augsburg
Kunstsammlungen und Museen Augsburg
Direktor: Dr. Christof Trepesch
Strategische Kommunikation: Monika Harrer-Jalsovec M.A.

Stadtarchäologie / Archäologisches Zentraldepot: Dr. Sebastian Gairhos (Leitung)

Bildnachweis:
© Kunstsammlungen und Museen Augsburg