Die Erklärung der WeltGuckkastenbilder aus der Sammlung
Joachim von Prittwitz und Gaffron

28.01.–22.04.2022 im Grafischen Kabinett

Fremde Orte waren und sind für uns Menschen faszinierend. Der Guckkasten und seine exotischen Bilder wurden im 18. und 19. Jahrhundert der neu aufkommenden Mittelschicht und der Landbevölkerung zur Unterhaltung und Bildung vorgeführt und gehörten so zu den ersten Massenmedien. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der knapp 2.400 Guckkastenbilder der Sammlung des Münchners Joachim von Prittwitz und Gaffron, die die Kunstsammlungen und Museen Augsburg 2020 als Schenkung der Familie erhielten.

Augsburg wurde als „Bilderfabrik Europas“ in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Zentrum der Produktion von Guckkastenbildern. Ein Guckkasten ist ein Betrachtungsgerät, das im Inneren einzelne Grafiken in perspektivischer Darstellung täuschend echt illusionistisch präsentiert. Dazu wurden seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zunächst in London und Paris Grafiken erstellt, teilweise mit Schablonen koloriert und auf Jahrmärkten präsentiert. Bei den Bildern war weniger die topografische Exaktheit wichtig als vielmehr der Blick auf ferne, nicht leicht zu erreichende Orte.

Während Augsburger Verleger wie Georg Balthasar Probst und die Kaiserlich Franziskische Akademie durchaus auf Qualität hinsichtlich richtiger Perspektive und Kolorierung achteten, wurde bei anderen Verlegern nicht so viel Wert darauf gelegt, da die Bilder meist günstig produziert werden mussten.

Die Grafiken zeigen die Sehenswürdigkeiten der Welt, exotische Länder, Tagesereignisse, aber auch Militär und Schlachten zu Wasser und Land bis hin zu Katastrophen wie Erdbeben und Großbränden.