Römerlager im Zeughaus (Foto: Norbert Liesz)
Goldmünzenfund, 2. Hälfte 2. Jh. n. Chr. (Foto: Römisches Museum Augsburg)
(Foto: Marion Waldmann)
(Bild: Römisches Museum Augsburg)
Kaiser Augustus (Foto: Andreas Bruecklmair)
Römerlager im Zeughaus (Foto: Norbert Liesz)

Römisches Museum

Das Römische Museum und die Stadtarchäologie kümmern sich mit ihren Beständen um den ältesten und längsten Zeitraum der Geschichte Augsburgs. Mit Funden und Ausgrabungsergebnissen von der Steinzeit über die Römerzeit, das Mittelalter bis in die jüngste Gegenwart sind diese Institutionen das entscheidende Sacharchiv zur historischen Erforschung der Stadt. Viele Stücke haben herausragende wissenschaftliche Bedeutung und werden regelmäßig auch an national und international angesehene Museen und Ausstellungen ausgeliehen. Eine Auswahl wesentlicher Exponate werden derzeit im Zeughaus in der Ausstellung „Römerlager – Das römische Augsburg in Kisten“ präsentiert.

GESCHICHTE

Mit Conrad Peutingers Sammlung römischer Inschriften, die 1505 erschien, existiert ein konkretes Datum für den Beginn der Antikenforschung. In diesem Werk wurden 23 Denkmäler der Römerstadt und seiner Umgebung präsentiert. Sein Großneffe Markus Welser legte 1594 eine Geschichte Augsburgs vor. Ihm gelang auch die Veröffentlichung einer Kopie der Tabula Peutingeriana, der weltberühmten einzig erhaltenen antiken Straßenkarte, die seit 2007 zum UNESCO Weltdokumentenerbe gehört. Die Jahrhunderte danach brachten spektakuläre Einzelfunde (Oberhauser Pfeilergrabmal 1709, Pferdekopf 1769). Anfang des 19. Jhs. kümmerte sich der bayerische Regierungsdirektor von Raiser um die Sammlung und gründete 1822 das „Antiquarium Romanum“. 1834 folgte die Gründung des Historischen Vereins für Schwaben, der die Bestände übernahm. Damit begannen die ständige Vergrößerung und eine bis heute andauernde Wanderschaft. Zunächst wurden die Stücke im Erdgeschoss des St. Anna Kollegiums untergebracht. 1855 erfolgte ein Umzug in das neu gegründete Maximilianmuseum. Die Steindenkmäler kamen im Raum des heutigen Cafés unter, Abdrücke der Podeste sind noch heute in den Bodenplatten zu erkennen.

Im Jahre 1966 wurde die umgebaute Klosterkirche St. Magdalena als neues Römisches Museum eröffnet. Ab Anfang der 1980er Jahre lag die wissenschaftliche Bearbeitung in den Händen der neu eingerichteten Stadtarchäologie. Im Dezember 2012 musste die Kirche aus baulichen Gründen geschlossen werden, 2015 eröffnete eine Ausstellung im Zeughaus, die nun für eine unbestimmte Zeit das Museum ersetzt. Im Frühjahr 2017 begann der Umzug in das Zentraldepot der Archäologie, eine der Grundlagen für ein neues Römisches Museum. Die Dominikanerkirche bleibt bis auf Weiteres wegen der Sanierungsarbeiten geschlossen.

RÖMERLAGER IM ZEUGHAUS

Nach der Schließung des Römischen Museums auf unbestimmte Zeit wurde eine neue Ausstellung mit bekannten und unbekannten Objekten zusammengestellt. Unter dem Titel „Römerlager – Das römische Augsburg in Kisten“ zeigen wir in sieben Themenbereichen großartige und beeindruckende Fundstücke. Der Namensgeber der Stadt, der erhabene Augustus, begrüßt die Besucher in Form einer überlebensgroßen Statue. Das römische Militärlager Augsburg- Oberhausen mit seinen Waffen und Rüstungsteilen wird als Versorgungsdepot im Rahmen des Alpenfeldzugs um die Zeitenwende errichtet. Wer sich zum römischen Straßennetz ein Bild machen will, kann das mit unserer 7 Meter langen Abbildung der Tabula Peutingeriana. Handelsgüter aller Art, ein Goldmünzenschatz, die fast 1800 Jahre alten originalen hölzernen Überreste einer Schiffsanlegestelle und der Handelsgott Merkur zeigen den kaufmännischen Charakter der Stadt Augusta Vindelicum. Wie speisten die Römer? Das zeigt ein römisches Esszimmer, ein Triklinium, in dem man sich auch zu Tisch legen kann. Die vielfältige antike Götterwelt wird ebenso dargestellt wie Hinterlassenschaften aus dem Totenkult. Wissenschaftliche Verfahren kommen nicht zu kurz: Neuere Theorien zum berühmten Augsburger Pferdekopf und die Methode der Altersbestimmung durch verbaute Hölzer werden erklärt. Kleinere Sonderpräsentationen zu winzigen Schmucksteinen oder zu wechselnden Themen im Eingangsbereich ergänzen das „Römerlager“. Eine massive Anhäufung von Depotkisten an der Rückwand der Ausstellung, verweisen mit ihren Beschriftungen auf viele bedeutende Stücke, die wir ohne ein neues Museum dem Publikum aktuell noch vorenthalten müssen.

DOMINIKANERKIRCHE

Die Klosterkirche, in der lange Jahre das Römische Museum untergebracht war, wurde zwischen 1513 und 1515 von den Dominikanern als zweischiffige Hallenkirche erbaut. Vom Vorgängerbau, eine Kirche des Templerordens sind eine Reihe von Wandmalereien bei den Untersuchungen 2013/14 wieder entdeckt worden. Namhafte Familien der Reichsstadt förderten den Konvent und errichteten in der Kirche ihre Grabkapellen. 1716–1724 erfuhr der Innenraum eine barocke Umgestaltung. Die Deckenfresken, mit der Darstellung des Rosenkranzes, wurden nach Entwürfen von Johann Georg Bergmüller angefertigt. Die Stuckarbeiten lagen in den Händen der Gebrüder Feichtmayr, den führenden Wessobrunner Stukkatoren. Die ehemals reiche Ausstattung ging mit der Säkularisation in den Jahren 1806/1807 in großen Teilen verloren. Zu den bedeutendsten noch erhaltenen Objekten gehören die Skulptur des Moses, heute im Victoria und Albert Museum in London und die von Gregor Erhart geschaffene Skulptur der Maria Magdalena. Sie ist eine der zentralen Exponate im Pariser Louvre unter der Bezeichnung „La Belle Allemande“. 1913/1914 ermöglichten Spenden des Augsburger Textilfabrikant Ritter Hugo von Forster eine umfassende Renovierung der Kirche. Während des Bombenangriffs 1944 blieb das Kirchengebäude weitgehend unbeschädigt. Die anschließenden Klostergebäude an der südlichen Seite mussten jedoch abgerissen werden. Auf deren Fläche entstanden in den 1960er Jahren mehrere Schulgebäude. Bis 1966 wurde die ehemalige Klosterkirche für die Dauerausstellung des Römischen Museums hergerichtet. Am 29. Oktober, vor über 50 Jahren, eröffnete dieses dann seine Tore.

AKTUELL

Der große Auszug ist geschafft! Seit 1966, also für fast 50 Jahre, beherbergte die Dominikanerkirche das Römische Museum. Doch leider erfordert der bauliche Zustand der Kirche eine Komplettsanierung. Hierfür musste das gesamte Gebäude ausgeräumt werden. Ein komplettes Museum leer zu räumen ist an und für sich schon eine große Herausforderung. Wenn es sich dabei um eine Ausstellung handelt, die sich auf über 1.000 Quadratmeter erstreckt und neben tausenden Kleinfunden auch überdimensionale Steindenkmäler mit einem Ausmaß von viereinhalb Metern und einem Gewicht von elf Tonnen beherbergt, dann benötigt man hierfür einige Jahre. Im März 2014 begann der große Auszug, als die Verwaltung mit den Büroräumen auf den Stadtmarkt umzog. Danach folgten einige Monate des Verpackens, Ausräumens und Aufräumens. In dieser Zeit wurden alle Exponate der Ausstellung und auch alle Funde der Studiensammlung gesichtet, inventarisiert und verpackt. 610 Transportkisten waren hierfür nötig. Außerdem haben viele fleißige Hände dazu beigetragen, dass Ende Mai 2016 der komplette Kirchenbau, mit Werkstätten, Büroräumen, Studiensammlung, Materiallager, Kellergewölbe und Archiv leer geräumt war.