Trompeten-Engel (Foto: Andreas Brücklmair)
Goldschmiedeabteilung (Foto: Andreas Brücklmair)
(Foto: Andreas Brücklmair)
(Foto: Andreas Brücklmair)
Modellkammer (Foto: Andreas Brücklmair)

Maximilianmuseum

Das Maximilianmuseum liegt im historischen Zentrum von Augsburg. In den zwei Stadtpalästen Augsburger Kaufleutedynastien wurde 1855 das erste städtische Museum errichtet und nach dem bayerischen König Maximilian II. benannt. Das Stammhaus der Kunstsammlungen und Museen Augsburg bietet eine einzigartige Fülle an herausragenden Werken der Goldschmiedekunst, der Bronzekunst der Spätrenaissance, an wissenschaftlichen Instrumenten, Uhren und Automaten, an historischen Modellen, stadtgeschichtlichen und kunstgewerblichen Objekten. Sie alle stammen aus reichsstädtischer Zeit, als Augsburg die Kunstmetropole Deutschlands war. Das Haus erhielt 2007 den Bayerischen Museumspreis.

GESCHICHTE

Im sog. Welserhaus an der Annastraße wohnte von 1511 bis 1519 Bartholomäus Welser (1484-1561), Kopf der Welser‘schen Handelsgesellschaft, der 1518 auf dem Augsburger Reichstag zusammen mit Jakob Fugger dem Reichen die Wahl Kaiser Karls V. finanzierte. 1544-1546 errichtete Leonhard Beck von Beckenstein, Kaufmann, Bankier und kaiserlicher Rat Karls V. das am heutigen Fuggerplatz gelegene Haus mit seiner prächtigen Fassade. Bereits 1547 erwarb es Jakob Herbrot († 1564), Kürschner, Bankier und Augsburger Bürgermeister. Als Evangelischer führte er die Stadt in den sog. Schmalkaldischen Krieg gegen den katholischen Kaiser Karl V. 1564 kaufte Anton Meuting († 1591) das Gebäude. Als Kaufmann und Bankier der bayerischen Herzöge übernahm er diplomatische Missionen an den Hof König Philipps II. von Spanien. 1579 erwarb die Kaufleutefamilie Hainhofer das Haus. Bis 1601 verbrachte hier der Kunstagent und Diplomat Philipp Hainhofer (1578-1647), Schöpfer des berühmten „Pommerschen Kunstschranks“, seine Kindheit und Jugend. Um 1700 bewohnte der Kupferstecher und Verleger Elias Christoph Heiß das Hainhoferhaus. Er war einer der ersten Kupferstecher, die die neuartige, malerische Schabkunsttechnik anwendeten. Heiß ließ den Tiroler Maler Melchior Steidl den Felicitassaal, die Aeneas-Galerie und das Luna-Kabinett mit illusionistischen Deckenfresken ausstatten. Von 1706 bis 1853 war der Gebäudekomplex zwischen Annastraße und Fuggerplatz Evangelisches Armenkinderhaus. Als dieses 1853 auszog, erwarb die Stadt Augsburg das Gebäude und eröffnete hier 1855 das erste städtische Museum. Das nach seinem Schirmherrn König Maximilian II. von Bayern (1811-1864) benannte Maximilianmuseum ist das älteste kommunale Museum Bayerns.

VIERMETZHOF UND BRONZEKUNST

Ein Glanzpunkt des Maximilianmuseums ist der Viermetzhof mit seinem selbsttragenden Glasdach, das vom Augsburger Ehrenbürger und Mäzen Kurt F. Viermetz (1939-2016) gestiftet worden ist. Hier sind die restaurierten Originalplastiken der berühmten Augsburger Prachtbrunnen aufgestellt. Die um 1600 von den Hofbildhauern Hubert Gerhard und Adriaen de Vries geschaffenen Figuren zählen zu den größten Kostbarkeiten des Hauses. Das beziehungsreiche Figurenprogramm von Augustus-, Merkur- und Herkulesbrunnen verherrlicht Augsburg als römische Gründung und Freie Reichsstadt, die damals bereits auf eine über 1600 Jahre alte Geschichte zurückblicken konnte.

SKULPTURENSAMMLUNG

Die Kunstwerke in der sog. Aeneas-Galerie mit Melchior Steidls Deckenfresko zu Vergils Aeneis stammen vorwiegend aus der Privatsammlung des Münchner Hofrats Sigmund Röhrer (1861-1929). Seine bedeutende Kunstsammlung, die Röhrer 1924 an die Stadt Augsburg verkaufte, umfasst vor u.a. barocke „bozzetti“, also plastische Entwürfe für großformatige Kunstwerke. Durch Vereinigung dieser exquisiten Kollektion mit dem Bestand des Maximilianmuseums entstanden 1932 die „Städtischen Kunstsammlungen“. Ein Großteil der ausgestellten Skulpturen war an Architektur gebunden, an die Fassade, an den Innenraum einer Kirche, an einen Altaraufsatz oder Kanzelkorb. Im Gegensatz zur musealen Präsentation waren sie weniger Objekte ästhetischer als gläubiger Betrachtung und erfüllten bestimmte Funktionen z.B. als Kult- oder Andachtsbild.

WISSENSCHAFTLICHE INSTRUMENTE

Seit der Renaissance war Augsburg ein Zentrum in der Herstellung mathematischer, physikalischer und astronomischer Instrumente. Der Instrumentenbau war ein wichtiger Zweig des reichsstädtischen Gewerbes. Sonnenuhren benötigte man bis ins 19. Jahrhundert hinein zur genauen Zeitmessung und Korrektur mechanischer Uhren. Da die tragbaren Sonnenuhren einen Kompass enthielten, um die Uhr entlang nach Norden ausrichten zu können, hießen die Hersteller von Sonnenuhren auch Kompassmacher. Die Werke der Augsburger Kompassmacher waren berühmt und trugen als gefragte Exportartikel zum guten Ruf des Augsburger Kunsthandwerks bei.

STADTGESCHICHTE

Kaiser Augustus ließ im Jahr 15. v. Chr. durch seine Stiefsöhne Tiberius und Drusus die Alpen und das von den keltischen Vindelikern besiedelte Alpenvorland erobern. Etwa ab der Zeitenwende waren in Augsburg römische Soldaten stationiert. Das römische Stadtrecht erhielt die Siedlung vermutlich um das Jahr 122 unter Kaiser Hadrian. Nur im Süden um den heutigen Dom ist eine Kontinuität städtischen Lebens von der Spätantike bis in die Zeit Bischof Ulrichs (923-973) fassbar. In salisch-staufischer Zeit bildeten sich im Gefolge von Stifts- und Klostergründungen eine Marktsiedlung und Gewerbeviertel. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Exponate. Die Bürgergemeinde konnte sich um die Mitte des 13. Jahrhunderts vom bischöflichen Stadtherrn lösen. Die Rechtssammlung des Stadtbuchs von 1276 und die Reichsstadterklärung König Ludwigs des Bayern von 1316 vollendeten Augsburgs Entwicklung zur Freien Reichsstadt. Die Augsburger Reichstage des 16. Jahrhunderts hatten weltgeschichtliche Bedeutung. Der Augsburger Religionsfrieden von 1555, der das evangelisch-lutherische Augsburger Bekenntnis reichsrechtlich anerkannte, legte für die Reichsstadt das Zusammenleben von Katholiken und Protestanten fest. Augsburgs Stadtbild ist das Werk des Elias Holl, der von 1602 bis 1631 als Stadtwerkmeister tätig war. Holls Hauptwerk ist das monumentale Rathaus, zu dem sich die historischen Entwurfsmodelle erhalten haben. Der Dreißigjährige Krieg traf Augsburg schwer. Der Westfälische Frieden von 1648 regelte für die Reichsstadt mit Einführung der sog. Parität das friedliche Zusammenleben von Katholiken und Protestanten. Mit dem Ende des Alten Reichs 1806 wurde Augsburg Teil des Königreichs Bayern.

MODELLKAMMER

Seit der Renaissance sammelte die Stadt Augsburg Entwurfs- und Erinnerungsmodelle von wichtigen Bauprojekten. Im Rathaus richtete 1620 Stadtwerkmeister Elias Holl den Raum über dem Goldenen Saal als städtische Modellkammer ein. Auf seine Veranlassung wurden auch bautechnische Modelle gesammelt. Der Rat ergänzte die Sammlung mit Meisterstücken Augsburger Kistler und Zimmerleute. Die Modellkammer enthielt schließlich auch eine Vielzahl mechanischer und hydraulischer Modelle. Die Modellkammer wurde im 20. Jahrhundert an das Maximilianmuseum abgegeben. Ihr stadt- und kulturgeschichtlich bedeutender Bestand ist heute weltweit ohne Parallele. Sie ist national wertvolles Kulturgut.

AUGSBURGER GOLDSCHMIEDEKUNST

Augsburg war die bedeutendste Goldschmiedemetropole Mitteleuropas. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert belieferten die Augsburger Goldschmiede die weltlichen und geistlichen Höfe Europas, die Kirchen der Katholiken und Protestanten, die Synagogen der Juden, die Städte, die Bürger und die Zünfte. Keine andere deutsche Stadt kann auf dem Gebiet der Goldschmiedekunst vergleichbare Leistungen vorweisen. Einzigartig war die Vielfalt der Aufgaben, wie die ausgestellten Trinkgefäße, liturgischen Geräte, Prunkplatten, Silbermöbel, Nécessaires und Tafelservice etc. zeigen. Die Sonderstellung beruhte auf der Fähigkeit der Augsburger Goldschmiede und Silberhändler, Aufträge jeder Art und Größe auf hohem künstlerischem Niveau auszuführen. Augsburgs Ruf und Selbstverständnis als Stadt der Künste gründeten sich ganz entscheidend auf ihre glanzvolle Goldschmiedekunst. Einzigartige Beispiele werden im Felicitassaal ausgestellt, dem prächtigsten Raum des Museums. Ihn schmückt ein großes Deckfresko von Melchior Steidl (1657-1727), das den antiken Götterhimmel und in den Ecken die vier damals bekannten Erdteile zeigt.

MÜNZKABINETT

Die Geschichte Augsburgs als Münzstätte beginnt im 10. Jahrhundert unter Bischof Ulrich (reg. 923-973). Lange Zeit lag das Recht der Münzprägung beim Augsburger Bischof. Im 13. Jahrhundert erlangte die Stadt ein Mitspracherecht bei der Ernennung des Münzmeisters. 1521 verlieh Kaiser Karl V. der Stadt das Münzrecht. Bedeutende Münzprägungen, oft mit der unverwechselbaren Stadtansicht, entstanden im 17. und 18. Jahrhundert. Die letzte Augsburger Münze war der Kupferpfennig von 1805. Mit dem Verlust der Reichsfreiheit endete die Prägetätigkeit Augsburgs. Das Münzkabinett präsentiert zudem wertvolle Augsburger Medaillen. Bei ihnen handelt es sich nicht um Zahlungsmittel, sondern um künstlerisch herausragende Gedenkmünzen auf Personen, Institutionen, historische und private Ereignisse.

KUNSTHANDWERK

Handel und Export waren Augsburgs Lebensader. Die Stadt lag günstig am Schnittpunkt der Handelswege zwischen Ost und West und wurde zu einem bedeutenden Umschlagplatz. Eine wichtige Grundlage ihrer Wirtschaft waren das Weberhandwerk und der Handel mit Textilien. Im 16. Jahrhundert wurde die Reichsstadt durch die großen Handelsfirmen wie die Fugger und Welser zu einem europäischen Finanzzentrum. Führend waren die Wechselhändler und Bankiers, die internationalen Handel betrieben. Ihr Kapital, ihre Handelsbeziehungen und Kontakte zu den Höfen Europas waren im 17. und 18. Jahrhundert Voraussetzung für Augsburgs Ausnahmestellung als Kunstmetropole. Das Augsburger Handwerk zählte über 60 verschiedene Kunstberufe. Ausgestellt sind u.a. kostbare Erzeugnisse der Augsburger Uhrmacher, Kunstschreiner, Zinngießer und der sog. Hausmaler, die daheim in ihren Werkstätten Porzellan und Fayencen bemalten. Handwerker, Künstler, Firmen und Agenten arbeiteten für den Kunstexport. Die Reichsstadt verstand sich als eine Stadt der Künste.

LAPIDARIUM

Das Maximilianmuseum besitzt in seinen Kellerräumen eine einzigartige Sammlung von steinernen Zeugnissen: Bauteile und Zierelemente zerstörter oder abgebrochener Gebäude, Skulpturen, Inschriftentafeln, Grenzsteine und Grabdenkmäler. Diese Kollektion ist von großem historischem und künstlerischem Wert. Die mehr als 300 Objekte vermitteln ein facettenreiches Bild der Augsburger Stadtkultur vom Mittelalter bis zum Ende der Reichsstadtzeit. Das Lapidarium entstand mit Unterstützung der altaugsburggesellschaft, des Friedrich-Prinz-Fonds und der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen.

Das Lapidarium im Maximilianmuseum