Deckenfresko des Rokokofestsaals im Schaezlerpalais (Foto: Achim Bunz)
Schaezlerpalais, Maximilianstraße 46 (Foto: Felix Weinold)
Garten des Schaezlerpalais (Foto: Felix Weinold)
Schaezlerpalais, Arkadengang (Foto: Felix Weinold)
Schaezlerpalais, Speisesaal (Foto: Bea Breunig)
Treppenaufgang des Schaezlerpalais (Foto: Bea Braeuning)
Deutsche Barockgalerie, Dame bei der Toilette © Kunstsammlungen und Museen Augsburg

Schaezlerpalais

Das direkt am Herkulesbrunnen in der Maximilianstraße gelegene Schaezlerpalais ist Augsburgs bedeutendstes und am besten erhaltene private Wohn- und Geschäftshaus des 18. Jahrhunderts. Nicht nur deshalb ist diese Perle des Rokoko ein Muss für jeden Augsburg-Besucher. Das 1770 vollendete bürgerliche Palais beherbergt zudem zahlreiche Gemäldesammlungen und Sehenswürdigkeiten, darunter die Deutsche Barockgalerie, die Karl und Magdalene Haberstock-Stiftung, die Grafische Sammlung und den berühmten Rokokofestsaal. Außerdem bietet sich hier der Zugang zur Staatsgalerie Alte Meister in der Katharinenkirche.

In der zweiten Etage des Gebäudes präsentieren die Kunstsammlungen und Museen Augsburg mehrmals im Jahr Sonderausstellungen zu weit gefächerten Themenbereichen. Der 2005 nach historischen Befunden gestaltete Garten des Palais ist ein geschätzter Erholungsort im Zentrum der Stadt, den auch jeder besuchen kann, der nicht ins Museum möchte. Zum Verweilen lädt ferner das Museumscafé ein.

GESCHICHTE

Das heutige Schaezlerpalais steht an der Stelle eines älteren Patrizierhauses aus dem Spätmittelalter, in dem die spätere Gemahlin Erzherzog Ferdinands von Österreich, die bürgerliche Philippine Welser (1527–1580) geboren wurde. Der Augsburger Bankier Benedikt Adam Liebert v. Liebenhofen (1730–1810) erwarb 1764 diesen Bau, ließ ihn abbrechen und ab 1765 das jetzige Gebäude errichten.

Liebert engagierte den Münchener Hofbaumeister Karl Albert von Lespilliez (1723–1796) für die Planung des neuen Wohn- und Geschäftshauses. Die Bauausführung übertrug er entsprechend den in Augsburg gültigen Vorschriften dem heimischen Hofmaurermeister Johann Gottfried Stumpe (1708–1777). Für die Dekoration des Gebäudes verpflichtete Liebert die besten Handwerker und Künstler, darunter den aus Rom stammenden und vorher in Wien tätigen Gregorio Guglielmi (1714-1773), der für das Deckenbild im Festsaal verantwortlich zeichnet. Das Ergebnis war das glänzendste Augsburger Stadthaus des 18. Jahrhunderts. Nach dem Tod Lieberts ging das Palais in den Besitz seines Schwiegersohns Johann Lorenz Baron von Schaezler (1762–1826) über. Bis zur 1958 erfolgten Schenkung der Nachfahren an die Stadt Augsburg blieb es in Familienbesitz.

Schon ab Dezember 1945 wurde das Haus jedoch museal genutzt, zunächst mit Sonderausstellungen belebt und ab 1951 mit Präsentationen der städtischen Sammlung bespielt. Seit 1970 befindet sich hier die Deutsche Barockgalerie, deren Konzeption anlässlich der Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes 2004–06 überarbeitet wurde.

ROKOKOFESTSAAL

Der beeindruckende Festsaal mit dem Deckengemälde ist das Herzstück des 1765-70 errichteten Schaezlerpalais. Ein Großteil der Oberflächen des Raumes ist noch original erhalten, was den Saal zu einem einzigartigen Dokument des süddeutschen Rokoko macht. Seine prunkvolle Ausstattung wurde von namhaften Künstlern der Zeit realisiert. So verwirklichte 1767 Gregorio Guglielmi (1714–1773) das ausladende Fresko. Es zeigt eine Allegorie auf den die Erdteile verbindenden Handel, der von Europa dominiert wird. Mit seiner lichten Farbigkeit erweckt das Fresko den Anschein der Öffnung in den Himmel und damit der Erweiterung des Raumes, der auch durch die Vielzahl an Fenstern dem Betrachter nahegelegt wird. Die Farbigkeit erinnert zudem an venezianische Fresken. Eingebettet ist das Deckenbild in die grandiose Stuckdekoration der Brüder Franz-Xaver (1735–1803) und Simpert Feichtmayr (1732–1806). Die Schnitzereien an Spiegeln, Wänden und Möbeln wurden von Placidus Verhelst (1727–1778) ausgeführt. Das Thema der Weltallegorie setzt sich an den Wänden des Saals fort. Über den Türen sind vier Supraporten mit Darstellungen von Flora und Fauna der Weltteile in die Stuckdekoration eingebettet, während die Dekorationen über den Spiegeln der Schmalseiten auf die vier Jahreszeiten verweisen. Hingegen enthalten die Spiegelbekrönungen auf den Längsseiten die Tierkreiszeichen als Hinweis auf den Jahreslauf der Gestirne.

1770 wurde der Festsaal durch die österreichische Erzherzogin Maria Antonia von Habsburg-Lothringen feierlich eingeweiht, die auf ihrer Reise nach Versailles zur offiziellen Hochzeit mit dem späteren französischen König Ludwig XVI. auch in Augsburg Station machte.

AUSSTATTUNG

Von der historischen Einrichtung des Schaezlerpalais sind einige Teile der Ausstattung erhalten. Neben dem Parkettfußboden aus verschiedenen Hölzern und der Lambrie zählen auch die Türblätter, einige Kronleuchter sowie die schmuckvolle Wandvertäfelung der drei zur Maximilianstraße gerichteten Räume im ersten Obergeschoss zu den frühen Ausstattungsstücken.

Besondere Beachtung verdienen hier die Supraporten, jene 67 querformatigen Gemälde von Joseph Christ (1731–1788), von denen 33 bis heute über jeder der Doppeltüren in den Wohnräumen des Palais hängen. Sie zeigen Episoden aus den Metamorphosen des Ovid. Jedes Bild ist in nur einem Farbton, entweder rot, grün, blau oder gelb gehalten und nimmt die Farbe der heute verlorenen Seidentapeten in den Räumen auf. Um einen Eindruck des historischen Farbklimas zu vermitteln, wurden die Wände 2005 in den von den Supraporten vorgegebenen Tönen gestrichen. Durch eine Initiative der Altaugsburggesellschaft wurden alle Gemälde des ersten Stockwerks ab 2015 restauriert und mit einem Zierrahmen versehen.

Ein weiteres bedeutendes Ausstattungsstück befindet sich im ehemaligen Speisesaal. Die um 1785 entstandene Standuhr von David Roentgen aus Neuwied befand sich bereits im frühen 19. Jahrhundert im Haus, wurde nach 1850 verkauft und gelangte 2006 als Dauerleihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung wieder ins Schaezlerpalais.

DEUTSCHE BAROCKGALERIE

Die Deutsche Barockgalerie im ersten Obergeschoss des Schaezlerpalais präsentiert sich trotz ihrer Unterteilung in Themengruppen als zusammenhängende Einheit, die die Pezzi grossi der Malerei des Barock und Rokoko in konzentrierter Form vorstellt und somit die besonderen Leistungen der Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts würdigt. Die Stadt war in dieser Zeit ein stilbildendes Zentrum der Künste und das deutsche Rokoko wurde deshalb einst auch als „Augsburger Geschmack“ bezeichnet.

Rund einhundert Meisterwerke des aus den Sammlungsbeständen der Stadt Augsburg und verschiedener Leihgeber sind in der Deutschen Barockgalerie vereinigt. Der Schwerpunkt der Auswahl liegt dabei auf den Werken der in Augsburg tätigen Maler, Zu den besten ihrer Zunft zählten Josef Heintz, Matthäus Gundelach, Johann König und Johann Georg Bergmüller, Johann Evangelist Holzer und Matthäus Günther. Während die Gemälde von Johann Heinrich Schönfeld und des Künstlerkreises der frühen Augsburger Akademie einen Eindruck der Malerei des Hochbarock vermitteln, zeichnen die Werke von Johann Georg Bergmüller und seinen Schülern Holzer und Günther die Entwicklung zur Rokokomalerei nach. Deren Ausklang ist anhand von Arbeiten etwa von Anton Graff, Anton Raffael Mengs und Heinrich Friedrich Füger nachzuvollziehen.

STIFTUNG HABERSTOCK

Zusammen mit Gemälden u.a. von Paulo Veronese, Giovanni Battista Tiepolo, Antonius van Dyck, Jacob Ruisdael und Lukas Cranach d.Ä. erhielt die Stadt Augsburg 1983 den Nachlass des in Augsburg geborenen Kunsthändlers Karl Haberstock (1878–1956) und seiner Ehefrau Magdalene (+1983), darunter auch deren Bibliothek und wertvolle Archivalien. Seitdem wird die außergewöhnliche Gemäldesammlung mit rund 40 Meisterwerken der europäischen Malerei im Schaezlerpalais präsentiert.

Seit der amerikanische Historiker Jonathan Petropoulos im Jahr 2000 den Umgang der Stadt Augsburg mit der Karl und Magdalene Haberstock-Stiftung kritisierte, bemühen sich die Kunstsammlungen den Nachlass des Kunsthändlers wissenschaftlich aufzuarbeiten, der u.a. auch an Nazigrößen verkauft hat und als Einkäufer für das von Hitler geplante „Linzer Museum“ tätig war. Die Ergebnisse dieses Projekts, das für die Provenienzforschung an deutschen Museen eine Vorreiterrolle einnimmt, wurden 2008 in der Publikation „Karl Haberstock Umstrittener Kunsthändler und Mäzen“ veröffentlicht.

SAMMLUNG STEINER

Im 18. Jahrhundert war Augsburg eines der Zentren der Kunst der Hinterglasmalerei. In dieser damals in ganz Europa weit verbreiteten Technik entstanden hier zahlreiche, meist kleinformatige Werke. Ihre Motive waren vorwiegend religiösen Inhalts. Im Œuvre der meist namentlich nicht bekannten Künstler finden sich aber ebenso Allegorien, Landschafts- und Stadtveduten sowie mythologische Themen. Als Vorlagen für diese Darstellungen dienten druckgrafische Erzeugnisse. Im Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Schaezlerpalais wird dauerhaft eine Auswahl von Werken der umfangreichen Sammlung von Wolfgang und Gisela Steiner präsentiert, die neben Hinterglasgemälden aus Augsburg auch solche aus Tirol, Südtirol, Nordböhmen, Franken, Venetien, Neapel, England und den Niederlanden zeigt.

ROKOKOGARTEN

Der Garten des Schaezlerpalais ist, wie das Palais selbst, eines der wenigen Überbleibsel der Augsburger Stadtgestalt des 18. Jahrhunderts. Er zeigt sich seit seiner Rekonstruktion im Jahr 2005 wieder als ein typischer, wenn auch später Privatgarten eines Stadtpalais, wie man sie zur Zeit seiner Entstehung häufig antraf. Auf der Südseite des Palais erstreckt sich der fast quadratisch begrenzte Garten als Vierfelderanlage mit zentralem Brunnen. Gebäude und Garten bilden bis heute eine architektonische Einheit, denn der Saalbau mit dem Arkadengang im Erdgeschoß und der Garten sind achsial aufeinander ausgerichtet. Der heutige Arkadengang war vermutlich mit großen Fenstertüren geschlossen und wurde ursprünglich als Orangerie und Gewächshaus genutzt.

Die heutige Bepflanzung geht auf ein Katasterblatt und gartenarchäologische Untersuchungen zurück. Vier Buchsbaum gefasste Gartenkompartimente zeigen Rasenflächen mit asymmetrischen Schlängelwegen. In die Rasenflächen sind kleinkronige Bäume – heute Kornellkirschen – gesetzt. Die Außenmauern wurden nach der Rekonstruktion wieder mit Spalierobstbäumen verziert.

Heute ist der Garten des Schaezlerpalais für jedermann zugänglich und bietet für viele Nutzungsmöglichkeiten. Er ist ein idealer Ort zur Entspannung, aber bildet auch eine grandiose Kulisse für Hochzeitsempfänge und Gartenfeste.

SCHAEZLER-BIENEN

Seit dem Frühjahr 2013 hat das ehemalige Hühnerhaus im Garten des Schaezlerpalais neue Bewohner: Ein Bienenvolk mit im Sommer bis zu 60.000 Bienen ist in das obere Stockwerk eingezogen und produziert nun reichlich Honig. Denn Bienen fühlen sich in der Stadt sehr wohl, da hier die Temperaturen ca. 3 Grad wärmer sind, weniger Wind herrscht und von März bis Oktober mehr Tracht (Nektar und Pollen) als auf dem Land zu finden ist. Der Honigertrag ist mit 50–70 kg pro Volk deshalb in etwa doppelt so hoch wie auf dem Land. Die Schaezler-Bienen von Stadtimker Christoph Mayer fliegen für ihren Honig Blumen und Bäume in einem Umkreis von 2–3 km an.

STAATSGALERIE KATHARINENKIRCHE

Die nach 1806 gegründete und seit 1835 in der Katharinenkirche eingerichtete Galerie ist die älteste Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Sie umfasst Gemälde der Augsburger und schwäbischen Schule des Spätmittelalters und der Frührenaissance. Zahlreiche Werke sind darunter, die im Auftrag von Patrizierfamilien für Kirchen und Klöster der alten Reichsstadt geschaffen wurden. Im Zentrum der Sammlung stehen Dürers Porträt von Jakob Fugger dem Reichen sowie die weltberühmte Bilderfolge der römischen Basiliken von Hans Holbein d.Ä. und Hans Burgkmair. Außerdem geben Tafeln von Christoph Amberger, Leonard Beck, Jörg Breu d.Ä., Lukas Cranach d.Ä., Hans Schäufelein und Bernard Strigel einen Überblick über malerische Tradition Augsburgs.
Die Staatsgalerie befindet sich in der Katharinenkirche Augsburg, der Zugang erschließt sich durch das Schaezlerpalais.
https://www.pinakothek.de/besuch/staatsgalerien

Blick in die Räume der Staatsgalerie in der Katharinenkirche
Porträt des Jakob Fugger, Albrecht Dürer (um 1519)